Achtung: Höhere Schwermetallaufnahme bei glutenfreier Ernährung

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Laut einer Auswertung der renommierten US-amerikanischen NHANES-Studie haben Menschen, die sich glutenfrei ernähren, höhere Blut-/Urinwerte von Quecksilber, Blei, Cadmium und Arsen als die Vergleichsgruppe ohne Gluteneinschränkung. Die langfristigen Folgen dieser erhöhten Exposition sind derzeit nicht absehbar.

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© Steve Snodgrass

Vor kurzem warnte die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) vor den Folgen einer ärztlich nicht indizierten glutenfreien Ernährung. Abgesehen von den erhöhten Kosten glutenfreier Lebensmittel kann das Vermeiden von Gluten zu einer Veränderung der Energieaufnahme und Nährstoffzusammensetzung der Ernährung führen, da viele glutenfreie Lebensmittel mehr Fett, aber weniger Ballaststoffe, B-Vitamine, Magnesium, Zink und Eisen enthalten, so die DGE.

Wissenschaftler um Stephanie L. Raehsler von der Mayo Clinic in Rochester (USA) verglichen nun die Schwermetallaufnahme von Menschen, die sich glutenfrei ernährten, mit einer Kontrollgruppe. Hierfür verwendeten die Wissenschaftler Ernährungsdaten von 11.354 Probanden, die zwischen 2009 und 2012 an der bevölkerungsbasierten, national repräsentativen NHANES-Studie (National Health and Nutrition Examination Study) teilgenommen hatten. Von den 115 Probanden (1 Prozent), die sich glutenfrei ernährten, hatte lediglich jeder Zehnte (11 Probanden) eine ärztlich diagnostizierte Zöliakie. Bei allen Probanden wurden die Konzentrationen von Quecksilber, Blei und Cadmium im Blutserum bestimmt. Für eine Subgruppe der Probanden lagen zusätzlich Daten zum Arsengehalt im Urin vor (32 Probanden mit vs. 3.901 Probanden ohne glutenfreie Diät). Mit Hilfe statistischer Methoden verglichen die Wissenschaftler die Blut- und Urinkonzentrationen der Probanden mit und ohne glutenfreie Diät, wobei sie teilweise auch Störfaktoren wie Unterschiede im Alter und Geschlecht, der ethnischen Herkunft und dem Rauchverhalten berücksichtigten.

Laut den Ergebnissen der aktuellen Studie hatten Menschen, die sich glutenfrei ernähren, höhere Quecksilber- (1,37 vs. 0,93 µg/l), Blei- (1,42 vs. 1,13 µg/l) und Cadmiumwerte (0,42 vs. 0,34 µg/l) im Blut und mehr Arsen im Urin (15,2 vs. 8,4 µg/l) als Menschen der Vergleichsgruppe, die glutenhaltige Lebensmittel verzehrten. Unter den Probanden mit glutenfreier Ernährung gab es kaum Unterschiede zwischen jenen, die sich aufgrund ihrer Zöliakie glutenfrei ernährten und jenen, die sich aus anderen Gründen dafür entschieden hatten. Dies lässt darauf schließen, dass die erhöhten Schwermetallkonzentrationen auf andere Faktoren (beispielsweise die Ernährung/Lebensmittelauswahl) zurückzuführen sind und nicht mit der Zöliakie zusammenhängen.

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Erklärungsansätze

Die erhöhten Quecksilberwerte ließen sich hauptsächlich auf Unterschiede im Fischkonsum zurückführen. So war die Blut-Quecksilberkonzentration der Probanden, die sich glutenfrei ernährten und Fisch verzehrten, deutlich erhöht. Dagegen war der Quecksilberwert der Probanden, die sich zwar glutenfrei ernährten, aber keinen Fisch verzehrten, auf einem ähnlichen Niveau wie bei der Vergleichsgruppe ohne Gluteneinschränkung. Die unterschiedliche Cadmiumkonzentration führen die Wissenschaftler auf den Tabakkonsum der Probanden zurück. Unabhängig von ihrer Ernährung hatten Raucher dreimal höhere Cadmiumwerte als Nichtraucher. Die Unterschiede im Arsenspiegel sind womöglich das Resultat eines höheren Reiskonsums der Probanden mit glutenfreier Ernährung. Diese Vermutung ließ sich anhand der NHANES-Daten allerdings nicht überprüfen. Für den Fall, dass durch die glutenfreie Ernährung weniger Protein aufgenommen wird, ließen sich die höheren Schwermetallwerte im Blutserum zumindest zum Teil auch dadurch erklären. Denn insbesondere die schwefelhaltigen Proteinbausteine (Aminosäuren) können Schwermetalle binden, sodass ein Mangel dieser Verbindungen zu erhöhten Werten an freien Schwermetallen führt.

Verglichen mit den aktuellen US-amerikanischen Grenzwerten für den Gehalt an Schwermetallen im Blut/Urin lagen die Serumwerte von Quecksilber, Blei und Cadmium aller Probanden unterhalb der entsprechenden Grenzwerte und nur zwei Probanden mit glutenfreier Ernährung überschritten den Arsen-Grenzwert. Ob die mit der glutenfreien Ernährung einhergehende erhöhte Schwermetallbelastung dennoch langfristige gesundheitliche Risiken birgt, ist derzeit wissenschaftlich nicht geklärt.

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