Die Deutsche Adipositas-Gesellschaft (DAG) hat in Zusammenarbeit mit anderen Fachgesellschaften ihre Leitlinie zur „Prävention und Therapie der Adipositas“ aktualisiert. Akteure aus dem Gesundheitswesen und der Gesundheitspolitik finden darin spezifische Informationen und evidenzbasierte Empfehlungen für die Prävention und Therapie der Erkrankung.

Obwohl Adipositas schon seit längerem als Zivilisations- oder Volkskrankheit bezeichnet wird, war die Krankheit bis dato überhaupt nicht als Krankheit definiert. Mit der Veröffentlichung der neuen Leitlinie ist die Erkrankung nun offiziell als Krankheit anerkannt – ein Schritt, der für den Präsidenten der DAG, Prof. Dr. med. Martin Wabitsch, „überfällig und wegweisend“ ist. Zukünftig können nicht nur die Folgeerkrankungen von Fettleibigkeit, sondern auch die Adipositas an sich als Kassenleistung therapiert werden. „Dies wird hoffentlich auch dazu beitragen, der weitverbreiteten Stigmatisierung Übergewichtiger im Alltag entgegen zu wirken“, hofft Wabitsch.
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Therapie ja, aber richtig
Die Leitlinie „räumt mit einigen falschen Vorstellungen und Empfehlungen auf, die fast täglich in den Medien kursieren und Menschen mit Übergewicht verwirren“, fasst Wabitsch die Bedeutung der zweiten Auflage der Leitlinie für Menschen mit Adipositas zusammen.
Wichtige Eckpunkte der Leitlinie zur Adipositastherapie sind
- die Aufhebung der Fixierung auf bestimmte Hauptnährstoffe in der Reduktionskost: Für eine nachhaltige Gewichtsreduktion ist es von untergeordneter Bedeutung, ob auf Fett, Kohlenhydrate oder Eiweiß geachtet wird – entscheidend ist, dass Energie eingespart wird (empfohlen wird ein Energiedefizit von 500 Kalorien pro Tag) und dass die Vorlieben, Erfahrungen, Kenntnisse und Stärken des Abnehmwilligen für die Adipositastherapie genutzt werden.
- das Angebot einer häufigen und strukturierten Ernährungsberatung durch geschultes Fachpersonal,
- die Berücksichtigung neuer Erkenntnisse in der Verhaltenstherapie,
- neue Zielvorstellungen in der Adipositastherapie: Die Formulierung der Therapieziele sollen zukünftig individuell für jeden Patienten erfolgen. Außerdem wird die Bedeutung der Gewichtsstabilisierung hervorgehoben,
- körperliche Aktivität als elementarer Bestandteil für Maßnahmen zur Gewichtsreduktion und -stabilisierung,
- die Beschreibung von Zielgruppen für kommerzielle Gewichtsreduktionsprogramme, wobei auch die zu erwartende Gewichtsabnahme durch diese Programme aufgeführt wird,
- Die Beschreibung der Voraussetzungen für eine chirurgische Therapie und die Betonung der Bedeutung einer lebenslangen interdisziplinären Nachsorge im Anschluss an den Eingriff.
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Vorbeugen ist besser als Heilen
Getreu dem Motto „vorbeugen ist besser als heilen“ sind in der Leitlinie auch Empfehlungen zur Vorbeugung von Übergewicht zu finden. Bisher beziehen sich die Empfehlungen ausschließlich auf das eigene Verhalten: Es wird empfohlen, sich regelmäßig körperlich zu betätigen, bedarfsgerecht zu ernähren und das Körpergewicht regelmäßig zu kontrollieren.
Zukunftsperspektiven
Doch ein wichtiges Thema im Bereich der Prävention fehlt noch: Zukünftig sollen auch günstige Rahmenbedingungen für ein erfolgreiches Gewichtsmanagement mit in die Leitlinie aufgenommen werden, kündigt der Koordinator und Leitlinienbeauftrage der DAG, Prof. Dr. med. Alfred Wirth, an: „Die Leitlinie geht nicht auf verhältnispräventive Aspekte der Adipositasprävention und explizit nicht auf die gesundheitspolitische Verantwortung des Staates zur Schaffung eines gesundheitsfördernden Lebensumfeldes ein. Diese Aspekte mussten bei einer nächsten Überarbeitung berücksichtigt werden.“
Quellen einblenden
- Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur „Prävention und Therapie der Adipositas“
- Deutsche Adipositas-Gesellschaft (2014): S3-Leitlinie zur „Prävention und Therapie der Adipositas aktualisiert“. Pressemitteilung vom 02.06.2014.




