Quo vadis Lebensmittelmarkt?

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Einkaufstasche mit Lebensmitteln
© the Italian voice

Die moderne Welt macht auch vor Lebensmittelmärkten nicht halt. Damit, dass landwirtschaftliche Kleinbetriebe heutzutage kaum eine Überlebenschance haben, haben wir uns (leider) schon fast abgefunden und auch Tante Emma-Läden sind heutzutage eine echte Rarität. Doch auch scheinbar supermoderne Einkaufzentren auf der grünen Wiese werden es schwer haben. Anlässlich der diesjährigen Tiefkühltagung in Dresden wagte Karen Ferdinand von der KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft einen Blick in die Zukunft.

Der Status quo

Aktuell sieht Karen Ferdinand vier verschiedene Typen von Lebensmittelmärkten, die sie folgendermaßen charakterisiert:

  • All Mart“: Lebensmittelgeschäfte, die das volle Sortiment anbieten und darauf vertrauen, dass der Kunde größere Wegstrecken in Kauf nimmt, weil er emotional an dem Laden gebunden ist und den physischen Einkauf vor Ort vorzieht.
  •  „Small Mart“: sozusagen die Enkel der früheren Tante Emma-Läden. Sie liegen zentral und sind leicht zu erreichen. Ihre Kunden sind häufig nur eingeschränkt mobil und schätzen den sozialen Kontakt vor Ort.
  • Call Mart“: Die Einkaufslösung für Menschen mit wenig Zeit und hoher Technik-Affinität. Lebensmittel werden online bestellt und für ein geringes Entgelt direkt nach Hause geschickt.
  • Smart Mart“: Ein Hybrid zwischen Onlinehandel und physischem Lebensmittelgeschäft. Wenn Kunden dies wünschen, können sie ihre Lebensmittel online bestellen und den Einkauf dann fertig verpackt vor Ort oder an Abholstellen in Empfang nehmen.

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Neue Herausforderungen

Die Zukunft wird zeigen, welche dieser Markttypen am besten mit den Herausforderungen unserer Zeit umgehen können. Hierzu zählen der demographische Wandel, die Energiepreise mit ihren Auswirkungen auf die individuelle Mobilität, der Wandel der Wertschätzung von Essen und Ernährung sowie neue technologische Entwicklungen. Welche Perspektiven ergeben sich daraus für den Lebensmittelhandel? Ferdinand geht davon aus, dass die Struktur des Lebensmittelhandels sich ändern wird und neue Akteure in den Markt einsteigen werden. Neue Kompetenzprofile werden geschaffen, vorangetrieben durch den „Hunger nach Sozialität“: Der Lebensmitteleinzelhandel wird sozialer und der individuelle Kunde rückt in den Mittelpunkt des Geschehens. Durch das zunehmende Vertrauen in neue benutzerbezogene Technologien wird dieser Prozess weiter beschleunigt.

Der Lebensmittelhandel der Zukunft

Wo werden wir in 10 Jahren unsere Lebensmittel einkaufen? Für die Zukunft stellt die Marktforscherin folgende Thesen auf:

  • Trotz der großen Flexibilität durch den Online-Einkauf von Lebensmitteln wird der Marktanteil, den diese Sparte einnimmt, wohl eher moderat bleiben. Denn: das Bedürfnis nach Verfügbarkeit und Spontaneität scheint für Kunden wichtiger als die Vorteile, die der Onlinekauf von Lebensmitteln mit sich bringt.
  • Biolieferdiensten und der Produktion von Lebensmitteln direkt im Laden wird eine gute Prognose ausgesprochen: sie entsprechen dem zunehmendem Wunsch nach „sicheren“ und authentischen Nahrungsmitteln.
  • Zeitliche Flexibilität wird immer wichtiger: Früher musste sich der Kunde nach starren Öffnungszeiten richten, mittlerweile zeichnet sich ein Trend zu Einkaufsmöglichkeiten rund um die Uhr und möglichst in der Nähe des Wohn- und Arbeitsortes ab.
  • Große Einkaufzentren „auf der grünen Wiese“ sind vielleicht schon bald ein Auslaufmodell. Sie werden wohl mittelfristig dem Ausbau von Online-Kanälen, den zunehmenden Kosten für Mobilität und dem Trend zu urbanem Wohnen und Einkaufen vor Ort zum Opfer fallen.
  • Auch das Lebensmittelangebot wird sich ändern: Im Lebensmittelhandel wird das Sortiment zum Direktverzehr ausgebaut und der Gastronom um die Ecke wird wohl zukünftig auch ausgewählte Lebensmittel verkaufen. Wenn standardisierte Lebensmittel zukünftig vor allem online bestellt werden, gibt es in den Geschäften freie Flächen für Naturprodukte. Denn das Angebot „gesunder“ Lebensmittel wird für den Lebensmitteleinzelhandel immer wichtiger.

Hier endet unser kleiner Exkurs in die Zukunft des Lebensmittelhandels. Wir sind gespannt, welche Prognosen eintreffen werden, und welche Auswirkungen diese Entwicklungen auf andere Sparten wie die Landwirtschaft oder die Gastronomie haben werden.

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