Am Wochenende: Essen mit Jetlag

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Immer mal wieder gesellt sich ein neuer Risikofaktor zu den bereits bekannten Verursachern von Übergewicht und Adipositas. Hierzu zählen beispielsweise der Zeitpunkt der Mahlzeiten, die Mahlzeitengröße oder deren Zusammensetzung. Neu hinzugekommen ist der Essens-Jetlag. Was verbirgt sich hinter der Wortneuschöpfung?

Nach einer anstrengenden Arbeitswoche gehen viele das Wochenende gerne gemütlich an, mit Ausschlafen und einem verspäteten Frühstück. Möglicherweise verschieben sich auch die anderen Mahlzeiten. Unter dem Begriff „Essens-Jetlag“ verstehen Prof. Maria Izquierdo-Pulido und Dr. Trinitat Cambras von der Universität Barcelona den Unterschied zwischen dem Zeitpunkt von Mahlzeiten an Wochenenden versus Arbeitstagen.

In den letzten Jahren konnten Wissenschaftler belegen, dass aufgenommene Kalorien vom Körper je nach Tageszeit unterschiedlich verstoffwechselt werden. „Dieser Unterschied hängt mit unserer biologischen Uhr zusammen, die unseren Körper so organisiert, dass er die während des Tages verbrauchten Kalorien versteht und umsetzt“, erläutert Doktorandin Maria Izquierdo Pulido. Nachts jedoch bereite sich der Körper auf die Fastenperiode während des Schlafs vor. „Die Tageszeituhr stellt sicher, dass bei regelmäßiger Nahrungsaufnahme die Stoffwechselwege des Körpers die Nährstoffe verarbeiten. Wenn das Essen jedoch zu einer ungewöhnlichen Stunde eingenommen wird, können Nährstoffe auf die molekulare Maschinerie peripherer Uhren (außerhalb des Gehirns) einwirken, den Zeitplan ändern und so die Stoffwechselfunktionen des Körpers verändern“, fährt Izquierdo Pulido fort.

Der Mensch (oder zumindest der menschliche Körper) ist demnach in Bezug auf das Timing von Mahlzeiten ein Gewohnheitstier. Doch was sind die Folgen eines Essens-Jetlags? Mit dieser Frage beschäftigte sich das Forscherteam um Prof. Maria Izquierdo-Pulido, Dr. Trinitat Cambras und Maria Izquierdo Pulido. Sie verglichen die Essenszeiten von 1.106 jungen Erwachsenen unter der Woche und am Wochenende und analysierten den Zusammenhang zum BMI (Body-Mass-Index, Körpermasseindex), wobei sie Unterschiede in der Ernährungsqualität der Probanden, der körperlichen Aktivität, den Schlafenzeiten und der Veranlagung zum Langschläfer oder Frühaufsteher herausrechneten.

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Bei ihrer Auswertung stellten sie fest, dass der Frühstücks-Jetlag der Probanden mit durchschnittlich zwei Stunden am stärksten ausgeprägt war. Das Mittagessen wurde im Mittel knapp eine Stunde später verzehrt, beim Abendessen betrug die Verschiebung lediglich eine halbe Stunde. Probanden, die am Wochenende ihre drei Hauptmahlzeiten zu anderen Zeiten zu sich nahmen als unter der Woche, hatten einen höheren BMI und damit ein höheres Risiko für Übergewicht und Fettleibigkeit (Adipositas). Allerdings stieg der BMI erst ab einer Verschiebung von 3,5 Stunden und mehr deutlich an.

„Unsere biologische Uhr funktioniert wie eine Maschine, die bereit ist, die gleiche physiologische und metabolische Reaktion an jedem Wochentag zur gleichen Tageszeit abzurufen“, erläutert Dr. Cambras. „Feste Ess- und Schlafpläne helfen dem Körper, sich zu organisieren und die Energiehomöostase zu fördern. Menschen mit einer stärkeren Veränderung ihres Zeitplans haben daher ein höheres Risiko für Fettleibigkeit.“

Bislang sind die zugrunde liegenden Mechanismen und Stoffwechselveränderungen infolge eines Essens-Jetlags sowie langfristige Auswirkungen nicht bekannt. Dennoch weisen die Autoren auf die Bedeutung regelmäßiger Essens- und Schlafzeiten für die Erhaltung von Gesundheit und Wohlbefinden hin. Die Ergebnisse dieser Studie sollten allerdings nicht dazu führen, sich das wohlverdiente Ausschlafen am Wochenende zu verbieten. Vielmehr kann das Einhalten fester Essenszeiten Menschen, die zu Übergewicht neigen oder bereits übergewichtig sind, helfen, ihr Gewicht besser zu kontrollieren.

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