Welchen Einfluss die Ernährung auf die Spermienqualität hat

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Eine Ernährungsumstellung kann in überraschend kurzer Zeit das Bewegungsvermögen (die Motilität) von Spermien verbessern, berichten Wissenschaftler der Universität von Linköping und Lund. Darüber hinaus fanden sie Hinweise auf eine nicht-chromosomale Übertragung von Eigenschaften über das Sperma auf den Nachwuchs.

In den letzten Jahrzehnten wurde wiederholt über einen Rückgang der Spermienqualität von gesunden Männern berichtet. Zwar ließ die methodische Qualität so mancher Studie zu wünschen übrig, die einheitliche Botschaft und zuweilen apokalyptische Ankündigungen gaben dennoch Anlass zur Sorge. In einer aktuellen Übersichtsarbeit, die die Ergebnisse von 137 Studien zusammenfasst, wird nun berichtet, dass die Spermienzahl während der vergangenen 35 Jahre weltweit um mehr als die Hälfte zurückgegangen ist (57 Prozent). Eine Erholung ist bislang nicht absehbar.

Daher, so formulieren Dr. Daniel Nätt von der Universität Linköping und seine Kollegen, wird es immer dringender, Faktoren, die die Spermienqualität beeinflussen, besser zu verstehen. Zu den Risikofaktoren für eine geringe Spermienqualität zählen ein erhöhtes männliches Fortpflanzungsalter, Pestizide und Schwermetalle in der Umwelt sowie bestimmte Lebensstilfaktoren (z. B. Tabak- und Alkoholkonsum sowie Bewegungsmangel). Auch Erkrankungen wie Adipositas (Fettleibigkeit) und Typ-2-Diabetes können eine schlechtere Spermienqualität zur Folge haben.

Unter Leitung von Assistenzprofessorin Anita Öst von der Universität Lund untersuchten Nätt und seine Kollegen den Einfluss der Ernährung auf einen Aspekt der Spermienqualität, die Motilität der Spermien. Während der ersten Woche des zweiwöchigen Untersuchungszeitraums erhielten 15 gesunde Männer (durchweg Nichtraucher) alle Speisen vom Forschungsteam. Auf diese Weise wurde sichergestellt, dass sich alle Probanden einheitlich gemäß den Nordischen Empfehlungen für eine gesunde Ernährung ernährten. Außerdem wurden die Männer dazu angehalten, lediglich Wasser zu trinken. In der zweiten Woche bekamen die Probanden zusätzlich eine Extraportion an Zucker in Form von Süßigkeiten (außer Schokolade und Lakritze) oder/und zuckerhaltigen Getränken, die mengenmäßig ihrem halben täglichen Energiebedarf entsprach. Zu Beginn der Studie sowie nach einer und nach zwei Wochen wurden die Qualität der Spermien gemessen und weitere gesundheitsrelevante Parameter bestimmt.

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Am Anfang der Studie hatte ein Drittel der Probanden eine geringe Spermienmotilität. Dies war nicht weiter überraschend, da der Anteil in etwa jener in der Allgemeinbevölkerung entsprach. Was die Wissenschaftler aber sehr erstaunte, war, dass sich die Spermienmotilität der betroffenen Probanden im weiteren Studienverlauf rasch erholte und alle Probanden einen Normalwert erreichten, der dann stabil blieb.

„Die Studie zeigt, dass die Beweglichkeit der Spermien in kurzer Zeit verändert werden kann und eng mit der Ernährung verbunden zu sein scheint“, erläutert Öst. „Dies hat wichtige klinische Auswirkungen. Wir können jedoch nicht sagen, ob der Zucker diesen Effekt verursacht hat, da sich genauso gut ein Bestandteil der gesunden Basisdiät positiv auf die Spermien ausgewirkt haben könnte.“

Die Wissenschaftler stellten außerdem fest, dass sich durch die Ernährungsintervention kleine RNA-Fragmente veränderten, die mit der Beweglichkeit von Spermien zusammenhängen, und identifizierten zwei Signalwege. Die weitere Erforschung dieser Signalwege ist möglicherweise nicht nur für das Verständnis des weltweiten Rückgangs der menschlichen Spermienfunktion von Bedeutung, sondern könnte auch erklären, wie schnelle Stoffwechselanpassungen an Nachkommen weitergegeben werden.

Im nächsten Schritt möchten die Forscher den Zusammenhang zwischen männlicher Fertilität und den neu entdeckten RNA-Fragmenten in Spermien untersuchen. Geplant ist außerdem eine Prüfung, ob sich die Bestimmung des RNA-Codes als neue diagnostische Methoden zur Messung der Spermienqualität während der In-vitro-Fertilisation eignet.

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