
Versetzen Sie sich kurz in folgende Situation. Sie stehen im Supermarkt vor dem Warenregal. Die Auswahl variiert – je nach Supermarkt – zwischen den „No-name-Produkten“, der Hausmarke, den klassischen Markenprodukten… und sehr wahrscheinlich auch noch Bio-Lebensmitteln. Na, sind Sie ins Schwanken gekommen?
Wie entscheiden Sie sich? Für das Bio-Produkt, trotz des höheren Preises? Dann wahrscheinlich, weil Sie davon überzeugt sind, damit etwas Gutes für Ihre Gesundheit zu tun. Der Glauben daran, dass Bio gesünder sei, ist weit verbreitet. Bio-Produkte sind populär und liegen im Aufwärtstrend. Vom exaltierten Außenseiter längst zum Jedermanns-Produkt avanciert, sind sie inzwischen selbst beim Discounter im Sortiment.

Aber ist Bio wirklich gesünder? Und wenn nicht, was sind dann die wesentlichen Unterschiede zu konventionell angebauten Produkten? Mit einem Wort: Lohnt es sich, Bio zu kaufen?
Erzeuger organischer Lebensmittel müssen bestimmte Richtlinien einhalten. Diese weichen in Inhalt und Umfang von den Anforderungen an den konventionellen Anbau ab. So dürfen Chemikalien nur sehr kontrolliert eingesetzt werden, ebenso wie Medikamente bei der Tieraufzucht. Wie viel und welche Chemikalien verwendet werden, ist streng vorgeschrieben. Auch der Umweltschutz fällt bei dieser Form der Landwirtschaft stark ins Gewicht.
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Was bedeutet das für den gesundheitlichen Aspekt? Dangour et al. in fanden in ihrer Studie „dass biologisch und konventionell erzeugte Lebensmittel hinsichtlich ihres Nährwert-Gehalts vergleichbar sind.“ Die Inhaltsstoffe der Lebensmittel bleiben also durch die Anbaumethode unbeeinflusst. Auch mögliche gesundheitliche Unterschiede nach dem Verzehr von biologisch bzw. konventionell produzierten Lebensmitteln konnten die Forscher mehrheitlich nicht feststellen.
Nicht in die Untersuchung eingeflossen sind jedoch die Pestizid-Gehalte von Lebensmitteln. Pestizide sind, insbesondere in höheren Mengen, gesundheitsschädlich. Deshalb gibt es für Pestizid-Gehalte Grenzwerte, die allerdings je nach Herkunftsland variieren. Pestizide können das Erbgut schädigen, das Immunsystem schwächen, Allergien begünstigen und Krebs mitbewirken. Sie werden allerdings nicht nur wegen höherer Ernteerträgen eingesetzt. Ganz ohne Pestizide angebaut, siedeln sich auf Pflanzen mehr Pilze an. Diese können giftige Stoffwechselprodukte, sogenannte Mykotoxine erzeugen, die nachweislich Krebs auslösen. Deshalb wäre auch ein komplett Pestizid-freier Pflanzenanbau nicht unbedingt gesundheitsfördernd.
Lohnt es sich nun, Bio-Produkte zu kaufen, oder nicht? Bio-Lebensmittel sind, auf der Ebene der Inhaltsstoffe, nach dem derzeitigen Wissensstand nicht gesünder als herkömmlich produzierte Lebensmittel. Sie enthalten aber weniger Pestizide, was vorteilhaft für die menschliche Gesundheit ist und die Umwelt schont. Auch ein regionaler Anbau, der aber nicht immer und auch nicht ausschließlich beim Bio-Anbau vorliegt, entlastet die Umwelt. Umweltschutz ist ein wichtiges Thema. Aus diesem Grund empfiehlt es sich durchaus, Bio-Produkte zu kaufen. Aus gesundheitlichen Gründen aber bieten Bio-Lebensmitteln nach aktuellen Erkenntnissen keinen Zugewinn.
Quellen einblenden
- Dangour AD, Dodhia SK, Hayter A, Allen E, Lock K, Uauy R: Nutrional quality of organic foods: a systematic review. AM J CLIN NUTR 2009;90:680-5.
- Dangour AD, Lock K, Hyter A, Aikenhead A, Allen E, Uauy R: Nutrition-related health effects of organic foods: a systematic review. AM J CLIN NUTR 2010;92:203-10
- Schlumberger A, Krautter M (2003): Pestizide machen krank.
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- Chang K (NYTimes, 4.09.2012): Organic Food vs. Conventional Food




