Die Bundesbürger verzehren immer noch mehr Zucker, Fett und Salz als gesund ist. Dies hat Ernährungsminister Christian Schmidt dazu veranlasst, an die Lebensmittelbranche heranzutreten. Bis Mitte 2018 sollen Betriebe freiwillig schrittweise den Salz-, Zucker- und Fettgehalt ihrer Lebensmittelrezepturen reduzieren.

Weniger Zucker in Erfrischungsgetränken, Joghurt- und Quarkzubereitungen, weniger gesättigte Fettsäuren in Frühstückscerealien und Tiefkühlpizzen und weniger Salz in Brot, Brötchen und Tiefkühlpizzen: Dies sind nur einige lebensmittelbezogene Ziele, die Schmidt mit seiner neuen Strategie anpeilt. Sein Konzept erläuterte er in einem 40-seitigen Papier. Es soll dem Bundeskabinett bereits im Juli vorgelegt werden.
Bei der Veränderung von Lebensmittelrezepturen gehen Schmidt und sein Ministerium den Weg der kleinen Schritte. So ist in dem Papier zu lesen, dass die Veränderungen „in Form kleinerer, kaum sensorisch merkbarer Reduktionen“ erfolgen sollen, um damit eine Gewöhnung der Verbraucher zu erreichen. Die neuen Rezepturen müssen außerdem zu „geschmacklich akzeptablen Resultaten“ führen, ohne Qualität und Haltbarkeit der Produkte zu beeinträchtigen. Die Energiedichte der modifizierten Produkte soll zudem reduziert oder maximal erhalten bleiben – eine Reduktion des Zuckergehalts und zugleich Zugabe von „höherkalorischem Fett“ ist explizit nicht gestattet. Damit soll eine gesündere Ernährung auch für Menschen erreicht werden, die durch mehr konventionelle Informationen zu einer gesunden Ernährung nicht erreicht werden.
Die Zielwerte für die Zucker-, Fett- und Salzreduktion sollen sich an Vorgaben orientieren, die die EU bereits vor Jahren für die Mitgliedsländer formuliert hat: In Abhängigkeit von der Ausgangslage in den Nationalstaaten sollen demnach 16 Prozent weniger Salz, insgesamt zehn Prozent weniger Fett und mindestens zehn Prozent weniger Zucker angestrebt werden.
Schmidts Strategie setzt auf eine freiwillige Beteiligung möglichst vieler Lebensmittelhersteller. „Sollten die Unternehmen keine ausreichende Bereitschaft signalisieren, müssen administrative Konsequenzen in Betracht gezogen werden.“ Dennoch sei es möglich, dass bereits jetzt die Werbung für Lebensmittel mit einem besonders hohen Zucker, Fett- oder Salzgehalt eingeschränkt wird. Kleine Unternehmen, denen die Umstellung schwerer fällt, sollen durch speziell geförderte Forschungsprojekte im Wettbewerb mit Konzernen gestärkt werden.
Das 40-seitige Papier zu Schmidts Strategie soll bereits im Juli dem Bundeskabinett vorgelegt werden.
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- J. Drebes (2017): Fertigprodukte sollen gesünder werden. General-Anzeiger Bonn, Online-Artikel vom 30.05.2017




