Im Rahmen ihrer Typ-2-Diabetestherapie schaffen Frauen es leichter abzunehmen, während es Männern eher gelingt, ihren Langzeitblutzuckerwert (HbA1c-Wert) zu senken. Geschlechtsspezifische Unterschiede sollten daher bei der individuellen Diabetestherapie stärker berücksichtigt werden.

An der Studie, deren Ergebnisse kürzlich in der Fachzeitschrift Experimental and Clinical Endocrinology & Diabetes veröffentlicht wurde, beteiligten sich 129 deutsche Diabeteszentren. Damit umfasste der Datenpool für die aktuelle Auswertung immerhin Daten von 9.108 Probanden mit Typ-2-Diabetes. Die Probanden waren durchschnittlich 63 Jahre alt und seit knapp sechs Jahren an Diabetes erkrankt. Beinahe die Hälfte der Probanden (49 Prozent) waren Frauen.
Für die Studie wurden das Körpergewicht und der HbA1c-Wert der Probanden vor und nach durchschnittlich 0,8 Jahren (also etwas weniger als 10 Monaten) verglichen, wobei die Diabetestherapie der Probanden unverändert fortgeführt wurde. So waren Aussagen möglich, wie sich das Gewicht und der HbA1c-Wert von Männern und Frauen, deren Diabetes auf unterschiedliche Weise behandelt wurde, veränderte.
Fast zwei Drittel der Probanden (63,5 Prozent) sollten zur Behandlung ihres Typ-2-Diabetes ihren Lebensstil verbessern. Fast jeder vierte Proband erhielt Metformin (23,9 Prozent), jeder zehnte nahm Sulfonylharnstoff-Tabletten ein (10,4 Prozent) und die verbleibenden Probanden (2,2 Prozent) erhielten andere blutzuckersenkenden Medikamente.
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Die Auswertung der Daten zeigte teilweise deutliche Unterschiede zwischen Männern und Frauen: Frauen mit der Lebensstil-„Therapie“ nahmen signifikant mehr ab als Männer – im Mittel waren es bei Frauen 0,8 Kilogramm, bei Männern lediglich 0,2 Kilogramm. Ähnliche Unterschiede bestanden auch bei Frauen und Männern, die Metformin einnahmen (Abnahme Frauen: -1,8 Kilogramm, Männer: -1,2 Kilogramm) und bei Frauen und Männern mit Sulfonylharnstoff-Therapie (Abnahme Frauen: -0,9 Kilogramm, Männer: -0,2 Kilogramm).
Wurde jedoch anstelle der Gewichtsabnahme der HbA1c-Wert als Maßstab verwendet, hatten die Männer die Nase vorne – wenn auch nur knapp: Durch eine Lebensstilintervention oder Metformineinnahme konnten sie ihren HbA1c-Wert um 0,7 Prozentpunkte senken, Frauen dagegen nur um 0,6 Prozentpunkte. Bei Männern und Frauen, die Sulfonylharnstoff-Präparate einnahmen, war die Veränderung der HbA1c-Werte dagegen vergleichbar (beide -0,5 Prozentpunkte).
Die Autoren folgern, dass Strategien zur Behandlung des Diabetes bei Männern und Frauen zu unterschiedlichen Ergebnissen führen können. Daher lautet ihre Empfehlung, bei der individuellen Anpassung der Diabetestherapie auch Geschlechtseffekte mit zu berücksichtigen.
Quellen einblenden
M. Schütt, A. Zimmermann, R. Hood, M. Hummel. J. Seufert, E. Siegel, A. Tytko, R.W. Holl (2015): Gender-specific effects of treatment with lifestyle, metformin or sulfonylurea on glycemic control and body weight: a German multicenter analysis on 9 108 patients. Experimental and Clinical Endocrinology & Diabetes, Online-Vorabveröffentlichung




