Frühere Hänseleien erschweren langfristig die Gewichtsabnahme

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Kinder und Jugendliche mit Übergewicht oder Adipositas (Fettleibigkeit) werden häufig aufgrund ihrer Figur verspottet und ausgegrenzt. Solche negativen Erfahrungen können bis ins Erwachsenenalter nachwirken. Beispielsweise fällt es Erwachsenen mit Stigmatisierungs-Vorgeschichte schwerer, nach einer Gewichtsabnahme ihr Gewicht zu halten, als Vergleichspersonen.

 © thefuturistics
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Dies ergab eine Studie des Leipziger Integrierten Forschungs- und Behandlungszentrums (IFB) AdipositasErkrankungen, deren Ergebnisse kürzlich in der Fachzeitschrift „Appetite“ veröffentlicht wurden. Für die Studie wurden die Daten von insgesamt 381 Erwachsenen mit anhaltendem oder früherem Übergewicht aus dem Gewichtskontrollregister der Medizinischen Hochschule Hannover ausgewertet. Alle Probanden hatten zwei Gemeinsamkeiten: Sie hatten mindestens ein Zehntel ihres Ausgangsgewichts abgenommen und ihr neues, reduziertes Gewicht ein Jahr oder länger gehalten.

In verschiedenen Studien wurde gezeigt, dass emotionales Essen und andere Auffälligkeiten im Essverhalten langfristig die Gewichtsabnahme beeinträchtigen. „Forscher und Ärzte wissen bisher aber wenig darüber, wie sich Stigmatisierung auf die Entwicklung des Gewichts auswirken„, erläutert die Leiterin des Forschungsbereichs Verhaltensmedizin am IFB Prof. Dr. Anja Hilbert. Daher verglichen die Wissenschaftler in ihrer aktuellen Studie die langfristige Gewichtsabnahme von Männern und Frauen, die in ihrer Kindheit oder Jugend aufgrund ihres Aussehens gehänselt und abgelehnt (stigmatisiert) wurden, mit einer Kontrollgruppe, die zwar ebenfalls früher (und teilweise auch aktuell) übergewichtig war, jedoch nicht deshalb stigmatisiert wurde.

Obwohl alle Teilnehmer ihr reduziertes Gewicht ein Jahr lang erfolgreich halten konnten, hatten sie nach zwei Jahren durchschnittlich wieder 2,8 Kilogramm zugenommen. Wurde bei der Auswertung die Stigmatisierungs-Erfahrung in der Kindheit und Jugend der Teilnehmer berücksichtigt, so zeigte sich, dass die Teilnehmer, die früher verspottet und ausgegrenzt worden waren, ihr reduziertes Gewicht weniger gut halten konnten als die unbelastete Kontrollgruppe. Dies wurde darauf zurückgeführt, dass bei vormals stigmatisierte Personen Essen stärker mit Emotionen verknüpft war als in der Kontrollgruppe. Beispielsweise neigten sie dazu, als negativ empfunden Gefühle wie Ärger, Stress, Traurigkeit oder Langeweile durch Essen zu kompensieren. Hierbei besteht die Gefahr, in einen Teufelskreis aus Hänseleien, negativen Emotionen, Frustessen, weiterem Gewichtsanstieg, erneuten Hänseleien, …, hineingezogen zu werden.

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Probleme bei der langfristigen Gewichtskontrolle sind nicht die einzigen Folgen einer übergewichtsbedingten Stigmatisierung im Kindes- und Jugendalter. Häufig leiden Betroffene unter einem negativen Selbstbild. Auch Essstörungen und Depressionen können resultieren. Zurzeit schafft es maximal eine von drei bis sechs Personen mit Übergewichts- beziehungsweise Adipositaserfahrung (17 bis 34 Prozent), nach einer Gewichtsreduktion langfristig ihr reduziertes Gewicht zu halten. Um Adipositastherapien nachhaltiger zu gestalten, ist es daher nach Ansicht der Wissenschaftler zum einen notwendig, gewichtsbezogener Stigmatisierung durch mehr Aufklärung entgegenzuwirken und zugleich stigmatisierte Personen durch ein gezieltes Training von Bewältigungsstrategien zu unterstützen.

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