In einem gemeinsamen Positionspapier fordern zahlreiche Krebs- und Ernährungs-Fachgesellschaften sowie Selbsthilfeorganisationen eine adäquate Ernährungsversorgung für alle Menschen mit Krebs.

Rosmarie Voegtli
Das Positionspapier wurde von der Deutschen Krebsgesellschaft, dem Bundesverband Niedergelassener Gynäkologischer Onkologen e.V. (BNGO), dem Bundesverband Deutscher Ernährungsmediziner e.V. (BDEM), der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE), dem BerufsVerband Oecotrophologie (VDOE), dem Verband der Diätassistenten e.V. (VDD), dem Verband für Ernährung und Diätetik e.V. (VFED) sowie verschiedenen Selbsthilfeorganisationen verfasst und unterzeichnet.
„Die adäquate Ernährung von Menschen mit Krebs stellt eine grundlegende unterstützende Maßnahme im Rahmen des Therapiekonzepts dar. Denn eine bedarfsgerechte Ernährungsversorgung von Krebspatienten führt erwiesenermaßen zu einer höheren Lebensqualität und Lebenserwartung„, betonen die Fachgesellschaften und Institutionen in ihrem Positionspapier. Obwohl bekannt ist, dass durch eine bedarfsgerechte Energie- und Nährstoffaufnahme die Behandlungsergebnisse deutlich verbessert werden können, sterben immer noch zwei bis drei von zehn an Krebs erkrankten Personen an den Folgen einer Mangelernährung und nicht an der Krebserkrankung selbst. Daher fordern die beteiligten Fachgesellschaften und Institutionen
- ein Recht auf eine adäquate Ernährungsversorgung für alle Menschen mit Krebs einschließlich ambulanter Ernährungsberatung für Betroffene und deren Angehörige und die Etablierung und Vergütung von stationären Ernährungsteams,
- die Verankerung der Ernährung als Thema in der Onkologie bei der Aus-, Fort- und Weiterbildung aller Berufsgruppen, die Krebspatienten (mit) versorgen,
- die verpflichtende Durchführung eines Screenings auf Mangelernährung verbunden mit dem Angebot von individueller Ernährungsberatung beziehungsweise Ernährungstherapie für alle Patienten, bei denen die Gefahr einer Mangelernährung besteht,
- ein niederschwelliges qualifiziertes Beratungsangebot für alle Patienten mit Krebs und deren Angehörigen,
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- die Entwicklung und Abstimmung wissenschaftlich fundierter Standards für die ernährungstherapeutische Begleitung von Tumorpatienten. Außerdem sollen die bereits bestehenden evidenzbasierten Leitlinien und Qualitätssicherungsinstrumente konsequent umgesetzt werden.
- die Aufnahme eines ernährungstherapeutischen Angebots, das diesen neu zu formulierenden Standards entspricht, in die Zertifizierungskriterien onkologischer Zentren, sowie
- die Förderung von Forschungsvorhaben mit Fokus auf Ernährungsthemen in der Onkologie. Dies gilt sowohl für klinische Forschungsprojekte als auch für die Versorgungsforschung.
Die zusätzlichen Kosten der Umsetzung dieser Forderungen für das Gesundheitssystem sind gut investiert: Nach Einschätzung von Experten sind sie geringer als die Folgekosten, die aufgrund einer unzureichenden Ernährungstherapie entstehen.




