Frühstückscerealien: Nicht alles ist Gold, was glänzt

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Auf der Verpackung von Frühstückscerealien wird beispielsweise deren hoher Gehalt an „gutem“ Getreide, Vitaminen, Calcium und Eisen beworben. Vergleicht man allerdings das gesamte Nährwertprofil dieser Produktgruppe, schneiden deutsche Frühstückscerealien und insbesondere Kinderfrühstückscerealien nicht gut ab. Dass es auch anders geht, zeigt ein Vergleich mit Norwegen.

 © shallowend
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Gesa Maschkowski von der Abteilung Marktforschung der Agrar- und Ernährungswirtschaft der Universität Bonn untersuchte im Rahmen ihrer Doktorarbeit das Nährwertprofil von insgesamt 239 deutschen und norwegischen Frühstückscerealien. Bei der Erstellung von Nährwertprofilen werden sowohl wertgebende Bestandteile (zum Beispiel der Gehalt an Ballaststoffen, Obst und Gemüse) als auch wertmindernde Bestandteile (Gehalt an Zucker, Fett oder Salz) berücksichtigt. Dies ermöglicht eine umfassende Aussage über den Gesundheitswert eines Produkts.

Mittlerweile haben sich verschiedene Nährwertprofile etabliert, darunter das besonders strenge skandinavische „Keyhole“ (Schlüsselloch). Norwegische Hersteller, die dessen vergleichsweise strenge Anforderungen erfüllen, dürfen mit dem Schlüsselloch-Logo werben. Für die EU wurde 2009 ebenfalls ein Nährwertprofil vorgeschlagen, mit dem gesundheits- und nährwertbezogene Angaben reguliert werden sollten. Obwohl die Anforderungen dieses Modells deutlich geringer sind als die des Keyhole-Ernährungsprofils, wurde das EU-Modell bis heute nicht umgesetzt.

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Bei der Gegenüberstellung der Inhaltsstoffe der Frühstückscerealien mit den Anforderungen von verschiedenen Nährwertprofilen schnitten deutsche Produkte wenig erfreulich ab: Obwohl ein Großteil der Frühstückscerealien mit gesundheitsrelevanten Informationen auf der Verpackung beworben wurde (etwa Hinweisen auf einen besonderen Nährwert oder Gesundheitswert oder „frei von…„-Angaben), erfüllten 2010 nur vier Prozent der deutschen Produkte die Anforderungen des skandinavischen Keyhole-Nährwertprofils, 2012 lag der Anteil mit sieben Prozent nur geringfügig höher. Wurden stattdessen die Anforderungen des großzügigeren EU-Modells zugrunde gelegt, erfüllten 2010 immerhin 28 Prozent der deutschen Frühstückscerealien die Vorgaben, 2012 waren es sogar 36 Prozent.

Wenig rühmlich war das Ergebnis insbesondere für Kindercerealien, obwohl diese speziell für die Zielgruppe der Kinder vermarktet werden. Nicht zuletzt aufgrund ihres hohen Zucker- und geringen Ballaststoffgehalts erfüllten keine der 58 deutschen Kindercerealien 2010 die Anforderungen des skandinavischen Keyhole-Profils. Von den 13 norwegischen Kindercerealien hielten immerhin zwei Produkte alle Kriterien des Keyhole-Profils ein und könnten sich daher auf ihrer Verpackung mit dem Schlüsselloch-Logo schmücken.

 © trekkyandy
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Unterm Strich werden auf Verpackungen von Frühstückscerealien insbesondere in Deutschland einzelne positive Aspekte eine Produkts (zu) stark in den Vordergrund gestellt. Dies lässt allerdings keinen Rückschluss auf den gesamten Gesundheitswerts eines Produktes zu. Frühstückscerealien ohne Hinweise auf gesundheitsrelevante Nährstoffen oder Zutaten können genauso gute oder sogar bessere Nährwertprofile aufweisen als speziell beworbene Produkte. Insbesondere bei Frühstückscerealien, die speziell für Kinder beworben werden, besteht weiterhin Handlungsbedarf. Laut einer Studie des Verbraucherzentrale Bundesverbands gehen 40 Prozent der befragten deutschen Eltern davon aus, dass diese Produkte speziell auf die Bedürfnisse von Kindern abgestimmt sind. Brauchen Kinder tatsächlich viel Zucker, Energie und wenig Ballaststoffe?

In ihren Schlussfolgerungen empfehlen Gesa Maschkowski und ihre Kolleginnen die Einführung eines rechtlich verbindlichen Nährwertprofils. Nur wenn die Vorgaben dieses Nährwertprofils erfüllt werden, so der Vorschlag der Wissenschaftlerinnen, sollte ein Lebensmittel mit gesundheitsrelevanten Informationen beworben werden dürfen. Für Verbraucher wäre es außerdem hilfreich, wenn entsprechende Produkte mit einem Zeichen oder Symbol versehen wären. Dann würde beim Lebensmitteleinkauf ein kurzer Blick auf die Verpackung genügen, um Auskunft über den Gesundheitswert eines Produkts zu erhalten.

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