Fundierte Onlineinformationen oder Fake News? Digitale Gesundheitskompetenz in Deutschland ist unzureichend

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Laut einer aktuellen, bundesweit repräsentativen AOK-Studie hat jeder zweite Bundesbürger Probleme bei der Nutzung von gesundheitsbezogenen digitalen Angeboten und Informationen. Vielen fällt es schwer, gezielt nach Informationen zu Gesundheitsthemen zu suchen und deren Zuverlässigkeit zu beurteilen.

Willkommen im 21. Jahrhundert mit den (fast) unbegrenzten digitalen Möglichkeiten! Die digitale Transformation macht auch vor dem Gesundheitswesen nicht halt. Nicht nur die Menge an Gesundheitsinformationen im Internet nimmt stetig zu, darüber hinaus sollen digitale Helfer wie Gesundheitsapps bei der Umsetzung eines gesunden Lebensstils oder Bewältigung von Erkrankungen helfen. Nicht allen fällt es leicht, angesichts der Informationsflut Fakten und Falschmeldungen zu unterscheiden, das für sie Notwenige herauszufiltern und effektive und gesunde Handlungen daraus abzuleiten.

Die AOK hat ein Marktforschungsinstitut beauftragt, deutschlandweit 8.500 Personen im Alter von 18 bis 75 Jahren zu ihrer digitalen Gesundheitskompetenz zu befragen. Doch was genau versteht man unter Gesundheitskompetenz? Die AOK greift eine Definition von Kolpatzik, Zeeb und Sörensen (2020) auf, wonach die allgemeine digitale Gesundheitskompetenz „individuelle, soziale und technische Kompetenzen und Ressourcen umfasst, die für das Suchen, Finden, Verstehen, Bewerten und Anwenden digital verfügbarer Gesundheitsinformationen wichtig sind.“ In der aktuellen Studie wurden die Männer und Frauen zu sieben Bereichen ihrer digitalen Gesundheitskompetenz befragt: operative Fähigkeiten, Informationssuche, Bewertung der Verlässlichkeit, Bestimmung der Relevanz, Fähigkeit zur Navigation, Erstellung eigener Inhalte sowie Schutz der Privatsphäre/Datenschutz. Aus den Antworten der Probanden auf die insgesamt 21 Fragen wurde ein individueller Durchschnittswert berechnet, der sogenannte eHealth Literacy-Score. Er ermöglicht die Beurteilung der Gesundheitskompetenz der Befragten.

Die Ergebnisse lassen zu wünschen übrig: Mehr als die Hälfte der Befragten verfügten über eine eingeschränkte digitale Gesundheitskompetenz (52,4 Prozent), während ein Viertel der Befragten (24,8 Prozent) eine sehr hohe und gut ein Fünftel der Befragten (22,7 Prozent) eine hohe digitale Gesundheitskompetenz aufwiesen. Damit ergibt sich für die digitale Gesundheitskompetenz der Bürger ein ähnliches Ergebnis wie für die Ernährungskompetenz in der vorausgehenden AOK-Studie vor einem halben Jahr.

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Die digitale Gesundheitskompetenz variierte mit verschiedenen soziodemographischen Merkmalen. Verglichen mit Männern verfügten Frauen über eine etwas höhere digitale Gesundheitskompetenz. Mit zunehmendem Alter stieg der Anteil der Befragten mit einer eingeschränkten digitalen Gesundheitskompetenz nur unwesentlich an. Die digitale Gesundheitskompetenz nahm mit dem Bildungsabschluss und dem Einkommen zu, während die Herkunft der Personen (mit/ohne Migrationshintergrund) kaum von Bedeutung war. Außerdem zeigte sich ein deutlicher Zusammenhang zwischen der digitalen Gesundheitskompetenz und dem selbst eingeschätzten Gesundheitszustand der Befragten. Von den Probanden mit einem subjektiv sehr guten Gesundheitszustand verfügten nur 40,6 Prozent über eine eingeschränkte digitale Gesundheitskompetenz, bei den Probanden mit subjektiv schlechtem Gesundheitszustand betrug der Anteil dagegen 60,3 Prozent.

Am schwersten fiel den Befragten die Suche nach Informationen sowie die Bewertung der Verlässlichkeit und Relevanz der gefundenen Gesundheitsinformationen. Mit 48,3 Prozent hatte fast jeder Zweite Probleme zu beurteilen, ob Informationen zuverlässig sind oder nicht und zwei von fünf Befragten (40 Prozent) fanden es „schwierig“ oder „sehr schwierig“ herauszufinden, ob kommerzielle Interessen hinter den Gesundheitsinformationen stehen.

„Während die Digitalisierung immer weiter voranschreitet, wächst die Gefahr, dass die Bürger nicht mehr mitkommen“, warnt Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes. „Die Umfrage zeigt auf, dass digitale Angebote leicht zugänglich und verständlich sein müssen, damit alle Menschen davon profitieren“, so Litsch weiter. Deshalb müssten Barrieren abgebaut werden, um Menschen in die Lage zu versetzen, die richtigen Entscheidungen für die eigene Gesundheit zu treffen.

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