Schonfrist für Diabetiker-Lebensmittel läuft ab
Ab dem 10. Oktober 2012 dürfen Lebensmittel nicht mehr als spezielle Diabetiker-Lebensmittel hergestellt und gekennzeichnet werden.
Vor zwei Jahren haben das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und weitere wissenschaftliche Einrichtungten dem Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz empfohlen, die gesetzliche Grundlage für spezielle Lebensmittel für Diabetiker zu prüfen. Die Wissenschaftler dieser Institute sind sich heute darin einig, dass Patienten mit Diabetes keine besonderen, auf ihre Bedürfnisse angepassten Lebensmittel benötigen. Vielmehr gelten für sie die gleichen Empfehlungen für eine gesunde Ernährung wie für die Bevölkerung insgesamt. Sogenannte Diabetiker-Lebensmittel verlieren damit ihre Legitimation. Zumal die Zusammensetzung von Diabetiker-Lebensmitteln Diabetikern sogar schaden kann, wie Professor Michael Roden vom Deutschen Diabetes-Zentrum in Düsseldorf erläutert. „Wir wissen heute, dass die speziellen Lebensmittel für Diabetiker in ihrer Zusammensetzung nicht mehr den Ernährungsempfehlungen entsprechen. Nicht selten haben die Diabetiker-Produkte mehr Fett und Kalorien als die normale Variante, sind Dickmacher. Sie dennoch zu nehmen, kann also mit gesundheitlichen Nachteilen und unnötig hohen Kosten verbunden sein. Spezielle Lebensmittel sind deswegen verzichtbar.“
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Stattdessen sollten Patienten mit Diabetes sich bei ihrer Ernährung an den allgemeinen Empfehlungen für eine gesunde und ausgewogene Ernährung orientieren. Hierzu Professor Andreas Pfeiffer vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam-Rehbrücke: „Wichtig ist, dass man Fett sparsam verwendet, bei der Zubereitung von Speisen pflanzliche Fette bevorzugt und viel Gemüse und Obst isst – idealerweise etwa drei Portionen Gemüse und zwei Portionen Obst pro Tag.“ Außerdem sollten Weißmehlprodukte möglichst oft durch Vollkornmehlprodukte ausgetauscht werden. Vollkornprodukte sättigen länger und der Blutzuckerspiegel steigt nicht so schnell und so hoch an wie nach dem Verzehr von Weißmehlprodukten. „Davon profitiert auch, wer keinen Diabetes hat“, erklärt Pfeiffer. „Nicht nur weil Vollkorn hilft, Übergewicht zu vermeiden. Rasche Blutzuckeranstiege nach dem Essen sind auch schädlich für die Arterien.“ Im Alltag sollten Diabetiker morgens lieber zu Müsli und Vollkornbrot/-brötchen greifen anstelle von Weißbrötchen, und Marmelade und Honig nur dünn auftragen. Dann müssen keine speziellen Diabetiker-Brotaufstriche mit Zuckeraustauschstoffen eingesetzt werden. Zuckerreduzierte Varianten (ohne Zuckeraustauschstoffe), deren Verwendung auch für die Allgemeinbevölkerung empfohlen wird, können darüber hinaus helfen, isolierten Zucker einzusparen.
Bei vielen Diabetikern, insbesondere der älteren Generation, waren spezielle Lebensmittel für Diabetiker fester Bestandteil ihrer Ernährung. Ist die erste Verunsicherung über die Neuregelung überwunden, können sie sich darüber freuen, in Zukunft etwas mehr Geld in ihrem Geldbeutel zu haben, waren Diabetiker-Produkte doch meist teurer als vergleichbare Produkte für Menschen ohne diese Stoffwechselerkrankung. Bis die Regale in Lebensmittelgeschäften wirklich frei von Diabetiker-Lebensmitteln sind, wird es wahrscheinlich noch einige Zeit lang dauern, da bereits produzierte Restbestände noch abverkauft werden dürfen.
Quellen einblenden
- Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (2012): Diabetiker-Lebensmittel verschwinden aus den Regalen. Übergangsfrist für Diabetiker-Lebensmittel läuft im Oktober 2012 ab.
- Sabine Haaß (2012): Aus für Diabetiker-Lebensmittel ab Oktober 2012. Diabetiker-Ratgeber, Artikel vom 29.03.2012.
- Kerstin Milhahn (2012): Diabetikerprodukte: Unnötiger Unsinn.
- Semiha Onlü (2012): Diabetiker-Produkte sind verzichtbar. Rheinische Post, Artikel vom 20.08.2012
Zum Thema
- Ärzteblatt.de (1.10.2012): Produktionsstopp für Diabetiker-Lebensmittel




