Einnahme von Selentabletten kann schaden
Ob etwas gut für uns ist oder nicht, hängt davon ab, ob wir es wirklich brauchen. Das klingt zunächst einmal schlüssig. Gerade wenn es um zusätzliche Vitamine und Mineralstoffe geht, hinkt der Verstand allerdings oft dem Gefühl hinterher. Denn was gut ist, kann doch nur besser werden, wenn wir möglichst viel davon bekommen, oder? Leider verhält es sich nicht ganz so.

Dem Spurenelement Selen werden zahlreiche Wirkungen zugesprochen. So soll eine höhere Selenkonzentration im Körper lebensverlängernd wirken. Selen ist bei der Immunabwehr beteiligt und soll den Körper bei der Bekämpfung von Viren unterstützen sowie das Auftreten bestimmter Schilddrüsenerkrankungen senken. Auch gegen Krebs der Prostata, der Lunge, des Darms und der Blase soll Selen schützen. Und bei unzureichend damit versorgten Menschen soll es das Risiko für einen Typ 2-Diabetes senken.
Es scheint also triftige Argumente dafür zu geben, für einen guten Selenstatus zu sorgen. Von einer zusätzlichen Selen-Aufnahme können jedoch nur Menschen profitieren, die einen eindeutigen Mangel aufweisen. Bereits gut versorgten Menschen schadet zusätzliches Selen hingegen. Die NPC-Studie ergab zum Beispiel, dass sowohl bei schlechter, als auch übermäßig hoher Selen-Versorgung das Krebsrisiko erhöht ist. Auch Studien wie die ATBC-Studie, CARET, die Iowa Women’s Health-Studie und SELECT ließen Zweifel am eindeutigen Nutzen von Nahrungsergänzungsmitteln aufkommen. Selen-Supplemente sollten demnach nur bei nachgewiesenem Mangel eingenommen werden und eine zusätzliche Selen-Einnahme nur auf ärztliche Empfehlung erfolgen.

In Deutschland besteht nach Ansicht der Fachgesellschaften unter den üblichen Ernährungsgewohnheiten kein Selenmangel. Eine ausreichende Selen-Versorgung über Lebensmittel ist demnach möglich. Lebensmittel, die reich an Selen sind, sind Innereien, Fisch und Meerestiere sowie Nüsse. Auch Fleisch, Hühnerei, Linsen und Spargel sind selenhaltig. Ein entscheidender Vorteil, den Lebensmittel gegenüber Supplementen haben: In Anbetracht der Menge, die es dafür bräuchte, ist eine dauerhafte Überdosierung von Vitaminen und Mineralstoffen auf diesem Weg kaum möglich.




