Starkes Übergewicht macht Brustkrebs aggressiver

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Wissenschaftler verschiedener deutscher Universitäten haben einen eine neue Erklärung dafür gefunden, weshalb der Verlauf von Brustkrebs bei fettleibigen Menschen häufig aggressiver ist.

 © Thomas Kohler
© Thomas Kohler

Zwischen 1975 und 2016 hat sich die Zahl der Erwachsenen mit starkem Übergewicht (Adipositas) weltweit versechsfacht, bei Kindern und Jugendlichen sogar verzehnfacht. Adipositas begünstigt die Entstehung zahlreicher Erkrankungen, darunter Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs. Bisherige Studien haben gezeigt, dass Brustkrebs bei Menschen mit einer Adipositas häufig aggressiver verläuft und öfter metastasiert. Dies wurde bislang damit erklärt, dass die Aktivierung der Fettsäuresynthese bei Adipositas die Krebszellen unabhängig von der Versorgung mit extrazellulären Fetten macht. Nun haben Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums München, der Technischen Universität München und des Universitätsklinikums Heidelberg einen alternativen Mechanismus entdeckt, der unabhängig von der Fettsäuresynthese ist und neue Therapieoptionen eröffnet. Ihre Ergebnisse wurden aktuell in der Fachzeitschrift „Cell Metabolism“ publiziert.

Dreh- und Angelpunkt dieses Mechanismus ist das Enzym Acetyl-CoA-Carboxylase 1, kurz ACC1. „ACC1 ist eine zentrale Komponente der Fettsäuresynthese“, erläutert Dr. Berriel Diaz, stellvertretender Direktor des Instituts für Diabetes und Krebs (IDC) am Helmholtz Zentrum München und einer der beiden Studienleiter. „Allerdings kann es durch die Botenstoffe Leptin und TGF-β an seiner Arbeit gehindert werden.“ Diese Botenstoffe sind im Blut von stark übergewichtigen Menschen besonders zahlreich. Die Hemmung des Enzyms ACC1 führt wiederum dazu, dass sich eine Fettsäurevorstufe (Acetyl-CoA) in den Zellen ansammelt und dort bestimmte Genschalter (sogenannte Transkriptionsfaktoren) aktiviert. Als Folge davon werden vor allem Gene abgelesen, die die Fähigkeit der Krebszellen zu metastasieren verstärken. Dementsprechend war ACC1 in menschlichen Gewebeproben aus Brustkrebsmetastasen signifikant weniger aktiv, wie der Erstautor der Studie, Marcos Rios Garcia, berichtet.

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Wurde der neu entdeckte Signalweg experimentell durch einen Antikörper blockiert, reduzierte sich die Ausbreitung der Brustkrebsmetastasen deutlich. Ob sich auf diese Weise künftig Brustkrebs (mit) therapieren lässt, müsse sich zeigen, so die Forscher zurückhaltend. Sie planen nun, die aktuelle Datenlage durch weitere Studien zu erhärten und außerdem nach zusätzlichen therapeutischen Eingriffsmöglichkeiten zu suchen. „Die Blockade der genannten Signalwege beziehungsweise das Abschalten der Metastasierungsgene könnten einen therapeutischen Angriffspunkt darstellen“, blickt der zweite Studienleiter Prof. Dr. Stephan Herzig, Direktor des Institut für Diabetes und Krebs am Helmholtz Zentrum München, in die Zukunft. „Im Rahmen einer sogenannten neo-adjuvanten Therapie1 könnte man schon vor der operativen Entfernung des Tumors das Risiko von Metastasen beziehungsweise des Wiederauftretens von Tumoren reduzieren.“

1 Therapie vor einer geplanten operativen Tumorbehandlung, mit dem Ziel eine bessere Ausgangssituation für die Operation zu erreichen, eine Erkrankung überhaupt operabel zu machen oder auf verstümmelnde Eingriffe verzichten zu können.

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