Studien bescheinigen Vegetariern eine längere Lebenserwartung und eine geringere Anfälligkeit für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Doch lässt sich dieser Effekt tatsächlich nur der Ernährung zuschreiben, oder sind nicht vielmehr Unterschiede im Lebensstil verantwortlich für die günstigere Prognose von Vegetariern? Eine kürzlich veröffentliche Übersichtsarbeit fasst den Stand der Wissenschaft zusammen.

Die Wissenschaftler der Universitäten von Manchester, Aberdeen und Norwich recherchierten in den Datenbanken Medline und Embase nach Studien, in denen die Gesundheit von Vegetariern mit Nicht-Vegetariern oder der Allgemeinbevölkerung verglichen wurde. Als gesundheitliche Endpunkte wurden die Sterblichkeitsrate (Mortalität) sowie das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und zerebrovaskuläre Erkrankungen gewählt.
Insgesamt acht Studien mit 183.321 Personen erfüllten die Einschlusskriterien. Die Ergebnisse dieser Studien wurden in der darauffolgenden Metaanalyse zusammengefasst, wobei die Autoren die Studien je nach Art der vegetarisch lebenden Studiengruppe in zwei Studienarme aufteilten: In einem Studienzweig wurden alle Studien zusammengefasst, in denen die Gesundheit von vegetarisch lebenden Siebenten-Tags-Adventisten mit einer Kontrollgruppe verglichen wurde. Mitglieder dieser religiösen Gemeinschaft werden nicht nur dazu angehalten, sich vegetarisch zu ernähren, sie leben auch insgesamt gesünder, rauchen seltener, verzichten häufig auf Alkohol, sollen sich regelmäßig körperlich betätigen, auf genügend Schlaf und stabile psychosoziale Beziehungen achten. Die verbleibenden fünf Studien wurden im anderen Studienzweig ausgewertet.
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Die Wissenschaftler stellten fest, dass die gesundheitlichen Vorteile einer vegetarischen Ernährung bei Adventisten deutlich stärker ausgeprägt waren als bei Vegetariern ohne diese religiöse Zugehörigkeit. So traten koronare Herzkrankheiten bei vegetarisch lebenden Adventisten 20 Prozent bis 50 Prozent seltener auf, bei anderen Vegetariern waren sie dagegen lediglich 16 Prozent seltener als in der nicht-vegetarisch lebenden Vergleichsgruppe. Noch deutlicher fielen die Unterschiede in Bezug auf das Auftreten von zerebrovaskulären Erkrankungen und die Gesamtmortalität aus. Hier hatten nur die vegetarischen Adventisten gesundheitliche Vorteile, während in anderen Vegetarierstudien wie der EPIC-Oxford-Studie oder der Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums keine Anhaltspunkte für solche positiven Effekte gefunden wurden.
Das Fazit der Wissenschaftler lautet, dass „die Verminderung von koronarer Herzkrankheit und Gesamtsterblichkeit unter vegetarischer Ernährung hauptsächlich auf die Adventistenstudien“ zurückzuführen sei. Die Ergebnisse von Studien an anderen Bevölkerungsgruppen lieferten dagegen wesentlich weniger überzeugende Belege für gesundheitliche Vorteile einer vegetarischen Ernährungsweise. Daher geben die Wissenschaftler zu Bedenken, „dass Einflussfaktoren seitens des adventistischen Lebensstils für die Risikoreduktionen in Vegetarierstudien verantwortlich sein könnten.“
Außerdem sollte in zukünftigen Studien untersucht werden, welchen Einfluss der Lebensstil von Vegetariern, die nicht zur Adventistengemeinde gehören, auf die Gesundheit hat. Denn auch hier besteht die Vermutung, dass viele Vegetarier allgemein einen gesundheitsfördernden Lebensstil pflegen.
Quellen einblenden
- C.S. Kwok, S. Umar, P. K. Myint, M. A. Mamas, Y. K. Loke (2014): Vegetarian diet, Seventh Day Adventists and risk of cardiovascular mortality: A systematic review and meta-analysis. International Journal of Cardiology 176, Ausgabe 3, Seite 680-686




