Ist Milch gesund?

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Die Frage nach dem Gesundheitseffekt von Milch ist nicht einfach zu beantworten. Milch und die daraus hergestellten Produkte gelten als ernährungsphysiologisch wertvoll, stehen aber auch im Verdacht, Zivilisationserkrankungen zu begünstigen. Zu Recht?

Neben Hühnerei hat Milch die höchste biologische Wertigkeit. Es ist also für Menschen sehr gut verwertbar und leicht verdaulich. Außerdem sind Milch und die daraus hergestellten Produkte gute Kalzium- und Phosphorquellen und daher von großer Bedeutung für den Aufbau und Erhalt der Knochenmasse. Das Milchfett enthält auch die fettlöslichen Vitamine A, D, E und K.

Eine Kindheit ohne Milch? Kaum vorstellbar. Im Laufe des Heranwachsens verlieren allerdings viele Menschen die Fähigkeit, den Milchzucker (Laktose) aufzuspalten. Schuld daran ist der zunehmende Mangel des Enzyms Laktase. Betroffene leiden unter Blähungen, Bauchkrämpfen und Durchfall. Hier hilft das Vermeiden laktosereicher Produkte wie Milch, Sahne, Weichkäse oder Milchschokolade. Geringere Laktosemengen werden oftmals weiterhin toleriert. Hier gilt es, die eigene Toleranzschwelle auszutesten.

Ein regelmäßiger Konsum von Milch und Milchprodukten über einen längeren Zeitraum wurde aber auch schon mit anderen Erkrankungen wie Akne, Typ-2-Diabetes und Krebserkrankungen in Verbindung gebracht. Allerdings waren die Studienergebnisse widersprüchlich. Wissenschaftler führten dies unter anderem darauf zurück, dass nicht immer zwischen nicht fermentierten Milchprodukten und Milch unterschieden wurd. Im Zuge der Fermentation wandeln Milchsäurebakterien und andere Mikroorganismen Laktose zu Milchsäure um. Durch die saure Umgebung gerinnt das Milcheiweiß Kasein und das fermentierte Milchprodukt erhält eine festere Konsistenz wie beispielsweise Joghurt.

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Haben nun fermentierte und nicht fermentierte Milchprodukte unterschiedliche gesundheitliche Effekte? Um diese Frage zu beantworten, fassten Wissenschaftler die Ergebnisse von Studien aus den Jahren 2005 bis 2020 zusammen, in denen zwischen fermentierten und nicht fermentierten Milchprodukten unterschieden wurden. Und tatsächlich: Die analysierten Studien zeigten nahezu gegenteilige Effekte für unfermentierte und fermentierte Milcherzeugnisse. Das regelmäßige Trinken von Milch über einen längeren Zeitraum war mit einem erhöhten Risiko für Akne, Typ-2-Diabetes, Prostatakrebs, Brustkrebs, Leberzellkarzinom, Non-Hodgkin-Lymphom, Morbus Parkinson und eine erhöhte Sterblichkeit assoziiert. Bei einem Konsum fermentierter Milchprodukte fand sich dagegen kein solcher Effekt. In manchen Studien wurde fermentierten Milchprodukten sogar eine schützende Wirkung attestiert.

Der vermutete zugrunde liegende Wirkmechanismus ist komplex. Experten gehen davon aus, dass der Konsum von Milch den Zentralschalter von Wachstumsprozessen (mTORC1) aktiviert. Dies fördert das Zellwachstum und anabole Prozesse. Zugleich wird die Fähigkeit der Zellen, fehlerhafte Bestandteile abzubauen (Autophagie) durch Milch gehemmt. Dagegen scheinen die Milchsäurebakterien in fermentierten Milchprodukten diese negativen Effekte wirkungsvoll zu verhindern.

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