Immer mehr Menschen sind von Lebensmittelallergien betroffen. Fachleute gehen davon aus, dass derzeit in Deutschland ca. 3,5 Prozent der Erwachsenen und sogar mehr als 5 Prozent der Kinder darunter leiden. Auch wenn der Anteil der Betroffenen in anderen europäischen Ländern (z. B. Dänemark, Griechenland) zum Teil geringer ist, summiert sich die Zahl der Allergiepatienten in Europa auf ca. 17 Millionen Menschen – mit steigender Tendenz. Schuld an der Zunahme der Erkrankung sind wahrscheinlich die veränderten Lebensbedingungen, Ernährungsgewohnheiten sowie Umwelteinflüsse.

Besonders drastisch ist die zunehmende Häufigkeit von Allergien bei Kindern bis fünf Jahren: In den letzten zehn Jahren hat sich ihre Anzahl verdoppelt. Ein Erklärungsansatz dafür ist, dass Kinder heutzutage möglichen Allergie auslösenden Stoffen aus der Umwelt weniger ausgesetzt als früher, so dass das kindliche Immunsystem nicht lernt, zwischen „sicheren“ und „potentiell gefährlichen“ Verbindungen zu unterscheiden. Die Folge sind Abwehrreaktionen des Körpers auf Proteine (Eiweißverbindungen), die der menschliche Körper eigentlich gut vertragen sollte.
Hinzu kommt, dass im kindlichen Verdauungstrakt bestimmte Eiweiße aus der Nahrung noch nicht so gut aufgespalten werden. Außerdem ist die Schleimhaut bei Kindern noch durchlässiger für größere Eiweißmoleküle. Beides gemeinsam bewirkt, dass kleinere Aminosäureketten, sogenannte Peptide, in den Kreislauf eindringen und dort allergische Reaktionen auslösen können. Häufig verschwinden allergische Unverträglichkeiten bei Kindern allerdings mit dem Wachstum. Deshalb wird in dieser Altersgruppe empfohlen, Allergietests in regelmäßigen Abständen (etwa alle ein bis zwei Jahre) zu wiederholen.
Am besten ist es aber immer noch, wenn Allergien erst gar nicht entstehen. Hier lassen sich bereits in der frühesten Kindheit einige Weichen stellen. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Kinder, die mindestens vier Monate voll gestillt wurden, seltener an Allergien erkranken. Das Meiden häufiger Allergie auslösender Lebensmittel wie Fisch oder Hühnerei während der Stillzeit und in der Beikost, konnte das Allergierisiko der Kinder hingegen nicht senken. Stattdessen wird eine ausgewogene, gesunde und abwechslungsreiche Ernährung mit reichlich Gemüse und Obst empfohlen. Die darin enthaltenen Antioxidantien scheinen der Entstehung von Allergien entgegen zu wirken. Auch Vitamin D, das vom Körper bei Sonnenbestrahlung selbst gebildet werden kann und bei Kleinkindern häufig zur Rachitisprophylaxe gegeben wird, kann möglicherweise das Risiko einer Erkrankung reduzieren. Aber nicht nur die Ernährung kann das Erkrankungsrisiko beeinflussen. Auch der Einfluss von Tabakrauch ist nicht zu unterschätzen. Dies ist ein weiterer wichtiger Grund dafür, weshalb in Gegenwart von Kindern nicht geraucht werden sollte.




