Zweifel am Nutzen von Phytosterinen aufgekommen

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Kinder und Gesunde ohne erhöhte Cholesterinspiegel brauchen und sollten auch nicht auf Produkte zurückgreifen, die mit Phytosterinen angereichert sind. Phytosterine werden wegen der ihnen beigemessenen cholesterinsenkenden Wirkung diversen Lebensmitteln zugesetzt. Nicht nur für Menschen mit normalem Cholesterinspiegel sind die Vorteile einer Phytosterin-Anreicherung allerdings umstritten und Nachteile nicht auszuschließen.

Phytosterine und Phytostanole kommen nur in Pflanzen vor und ähneln strukturell dem Cholesterin. Sie finden sich in kleinen Mengen insbesondere in fetthaltigen pflanzlichen Lebensmitteln wie Ölen, Nüssen, Samen und Getreide. Phytosterine (und -stanole) gehören zu den wenigen Substanzen, für die bisher im Rahmen der Health Claims eine gesundheitsbezogene Angabe zugelassen wurde. Sie werden speziellen Produkten wie bestimmter Margarine, Milch und Brot zugesetzt, die dadurch zu Functional Food – gesundheitlich vorteilhaften Lebensmitteln – werden sollen.

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Im Körper werden Phytosterine und Phytostanole in eher geringen Mengen über den Darm aufgenommen. Sie können jedoch im Darm die Resorption von Cholesterin verhindern und u. a. dadurch den Cholesterinspiegel senken. Hohe Cholesterinspiegel begünstigen die Entstehung von arteriosklerotischen Veränderungen der Gefäße, die wiederum zu Herzinfarkt und Schlaganfall führen können. Hier verspricht man sich eine präventive Wirkung der Phytosterine. Von Phytosterinämikern, Menschen, die aufgrund einer seltenen Erkrankung vermehrt Phytosterin aufnehmen, ist jedoch bekannt, dass stark erhöhte Phytosterin-Blutspiegel kardiovaskuläre Ereignisse begünstigen können. Bisher ging man davon aus, dass die Menge, die durch den Verzehr angereicherter Produkte aufgenommen wird, unbedenklich sei. Nun gibt es Hinweise dafür, dass sich dadurch nachteilige Veränderungen der Gefäße ergeben könnten.

Forscher in den Niederlanden untersuchten an 30 Teilnehmern die Auswirkungen einer Phytosterin- oder Phytostanol-Aufnahme in Form angereicherter Margarine über einen Zeitraum von 85 Wochen. Infolge des Verzehrs stieg der Campesterin(1)-Spiegel der Teilnehmer an. Der Anstieg war mit einer Verdickung der Netzhautvenen verbunden. Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass eine Verdickung der Netzhautgefäße als Folge der Phytosterin-Aufnahme nicht ausgeschlossen werden kann. Ein ursächlicher Zusammenhang wäre fatal, da ein größerer Durchmesser dieser Gefäße als ein möglicher Hinweis für ein erhöhtes Erkrankungsrisiko des Herz-Kreislauf-System eingestuft wird, gerade den Erkrankungen, vor denen die Phytosterine eigentlich schützen sollen.

Inwiefern es durch die Aufnahme von Phytosterin-reichen Lebensmitteln tatsächlich zu einem verstärktem Auftreten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen kommt, bleibt vorerst offen. Eine aktuelle Metaanalyse fand im Gegensatz der niederländischen Studie keinen Zusammenhang zwischen dem Phytosterin-Spiegel und dem Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen. Um eine mögliche Ursächlichkeit zu klären, bedarf es weiterer Studien. Das Bundesinstitut für Risikobewertung rät dennoch unter Bezug auf die niederländische Studie, mit der erstmalig Ergebnisse für den Menschen bezüglich möglicher Folgen eines Phytosterinverzehrs vorlägen, zu einer Neubewertung der Phytosterine als Lebensmittelzutat durch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit.

(1) Campesterin zählt zu den Phytosterinen.

Zum Weiterlesen

Quellen einblenden

  • BfR: Lebensmittel mit Pflanzensterol- und Pflanzenstanol-Zusatz: Bewertung einer neuen Studie aus den Niederlanden. Stellungnahme 006/ 2012 des BfR vom 1. Dezember 2011
  • Kelly ER, Plat J, Mensink RP, Berendschot TT. Effects of long term plant sterol and -stanol consumption on the retinal vasculature: a randomized controlled trial in statin users. Athero-sclerosis. 2011 Jan; 214(1):225-30.
  • Genser B, Silbernagel G, De Backer G, Bruckert E, Carmena R, Chapman MJ, Deanfield J, . Descamps OS, Rietzschel ER, Dias KC, März W: Plant sterols and cardiovascular disease: a systematic review and meta-analysis. European Heart Journal (2012) 33, 444–45.
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