Viele derzeit beliebte Kochsendungen sind mit Vorsicht zu genießen. Denn pro Minute wird darin mehr als einmal gegen gängige Hygienevorschriften verstoßen, warnt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Dass dies auch Auswirkungen auf die Zubereitung von Gerichten im eigenen Haushalt hat, demonstrierte das BfR anschaulich in einem aktuellen Experiment.

In Deutschland werden jährlich über 100.000 Krankheiten gemeldet, die wahrscheinlich durch lebensmittelbedingte Infektionen mit Mikroorganismen (beispielsweise Bakterien, Viren oder Parasiten) verursacht werden. Durch Sauberkeit in der Küche und die Einhaltung von Hygienemaßnahmen bei der Zubereitung von Speisen könnten viele dieser Erkrankungen vermieden werden. Die gesundheitlichen Risiken, die eine mangelhafte Küchenhygiene mit sich bringt, werden jedoch Umfragen zufolge immer noch häufig unterschätzt. Eigentlich erstaunlich, scheinen die Deutschen doch ein großes Interesse an der Zubereitung von Speisen zu haben, wie hohe Zuschauerquoten verschiedener Kochsendungen immer wieder belegen.
In einer aktuellen Studie hat das BfR 100 Folgen zuschauerstarker Kochsendungen unter die Lupe genommen und die Einhaltung von gängigen Hygienevorschriften überprüft. Mit besorgniserregendem Resultat: „Die Ergebnisse zeigen, dass wichtige Hygienemaßnahmen in Kochsendungen häufig zu kurz kommen: Im Schnitt wird alle 50 Sekunden ein Hygienefehler beobachtet“, berichtet BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel. Besonders häufig werden unter anderem schmutzige Hände an Geschirrtüchern abgewischt oder Schneidebretter ohne Zwischenreinigung weiterverwendet. Dadurch können Erreger von Krankheiten und Keime weiterverbreitet und auf andere Lebensmittel übertragen werden. Werden diese Lebensmittel vor dem Verzehr nicht mehr gründlich erhitzt, steigt die Gefahr für Lebensmittelinfektionen.
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Beeinflusst die im Fernsehen gezeigte (oder nicht gezeigte) Küchenhygienepraxis das Hygieneverhalten von Hobbyköchen beim Nachkochen von Gerichten? Dieser Frage ging das BfR in einem eigenen Experiment nach. Hierfür zeigte es Probandinnen und Probanden jeweils eines von zwei Videos zur Zubereitung eines Geflügelsalats mit selbst gemachter Mayonnaise. Während der Koch des einen Videos alle empfehlenswerten Hygienemaßnahmen bei der Zubereitung dieses eher hygienekritischen Gerichts sichtbar präsentierte, ließ die Küchenhygiene des anderen Koches zu wünschen übrig. Im Anschluss an das Ansehen der Kochsendungen wurden alle Probandinnen und Probanden gebeten, den Geflügelsalat selbst in einer Versuchsküche zuzubereiten. Hierbei wurde offensichtlich, dass die Gruppe der Personen, die das Kochvideo mit der vorbildlichen Küchenhygiene gesehen hatten, beim Nachkochen häufiger die empfohlenen Hygienemaßnahmen anwandte.
Demnach kann die in Fernsehsendungen präsentierte Küchenhygiene das Hygieneverhalten von Zuschauern zuhause beeinflussen. Kochsendungen könnten eine Vorbildfunktion übernehmen, indem sie das Bewusstsein für Küchenhygiene schärfen, statt es zu vernachlässigen, folgert das BfR.
Quelle einblenden
- Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR, 2018): Küchenhygiene im Scheinwerferlicht: Beeinflussen TV-Kochsendungen unser Hygieneverhalten? Presseinformation vom 24.01.2018




