Die Überarbeitung der Rezeptur industriell gefertigter Produkte führt häufig dazu, dass weniger Wert gebende Zutaten enthalten sind. Entspricht dies tatsächlich dem Wunsch der Verbraucher?

Nachdem die Veränderung der Rezeptur der beliebten Nuss-Nougat-Creme „Nutella“ Ende letztes Jahr für viel Empörung gesorgt hat, hat die Verbraucherzentrale Hamburg die Zutaten von 16 weiteren Produkten unter die Lupe genommen. Hierfür wurden aktuell erhältliche Lebensmittel aus verschiedenen Produktgruppen mit ihren Vorgängerversionen aus dem Produktarchiv der Verbraucherzentrale verglichen.
Die Verbraucherschützer stellten bei ihrem Produktcheck fest, dass sich auch bei anderen Lebensmitteln die Rezeptur geändert hat, wobei an wertgebenden, eher teureren Inhaltsstoffen wie Kakao, Haselnüssen, Kaffee, Rapsöl oder Schokolade gespart wurde. Dagegen enthielten die Produkte mehr kostengünstigere Füllstoffe wie Wasser, Milchzucker oder Glukosesirup sowie Aromen. Beispiele hierfür sind der geringere Eianteil eines Eiersalats (-8 Prozent), der geringere Anteil an Haselnüssen in einer Waffelschnitte (-4,5 Prozent) sowie die Reduktion des Kaffeeanteils im Instant-Cappuccino (-3 Prozent) bei gleichzeitiger Erhöhung des Zuckeranteils (+0,8 Prozent). Die gesammelten Ergebnisse hat die Verbraucherzentrale in einer „Downgrading-Liste“ veröffentlicht.
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Im Rahmen des Produktchecks wurden auch die Hersteller der Produkte um eine Stellungnahme zur Änderung ihrer Rezepturen gebeten. Die meisten Hersteller nannten hierbei die „Wünsche“ der Verbraucher als ausschlaggebendes Argument. Die Verbraucherschützer gehen allerdings eher von ökonomischen Interessen seitens der Hersteller aus.
Meist werden die Veränderungen von Verbrauchern nicht bemerkt, da wohl kaum jemand von sich aus die Rezepturen von später gekauften Produkten mit ihren Vorgängern vergleicht. Die Verbraucherschützer aus Hamburg raten daher, insbesondere bei Hinweisen auf eine „verbesserte“ oder „neue“ Rezeptur oder ähnlichen Formulierungen einen prüfenden Blick auf die Zutatenliste zu werfen. Gut möglich, dass sich dann der Anteil wertvoller Zutaten reduziert und damit die Produktqualität insgesamt verschlechtert hat. Darüber hinaus hatte sich die Füllmenge von beinahe jedem dritten getesteten Produkt nach der Änderung der Rezeptur verkleinert, sodass die Konsumenten für die geringere Produktqualität sogar noch tiefer in die Tasche greifen mussten. Auch hier lohnt sich ein Vergleich der Verpackungen.
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- Verbraucherzentrale Hamburg (2018): Downgrading: Billiger als besser verkauft? Onlineartikel vom 23.02.2018




