Bei unklaren neurologischen Symptomen sollte an einen Vitamin-B12-Mangel gedacht werden – insbesondere bei Vegetariern und Veganern. Das Tückische daran: Selbst mit Bluttests lässt sich ein Mangel des Vitamins nicht immer nachweisen.
Der menschliche Körper benötigt Vitamin B12 für die Blutbildung, die Zellteilung und die Funktion des Nervensystems. Ein Vitaminmangel äußert sich zunächst unspezifisch – beispielsweise durch Blässe, Müdigkeit, Wahrnehmungs-, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen oder eine Depression. Die als charakteristisch betrachtete megaloblastäre Anämie (pernizöse Anämie) tritt dagegen nicht immer auf, was ein möglicher Grund dafür ist, dass ein Vitamin-B12-Mangel nicht oder oft erst spät erkannt wird.

Obwohl die durchschnittliche Vitamin-B12-Aufnahme in Deutschland mit rund 5 Mikrogramm pro Tag deutlich über den von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung empfohlenen 3 Mikrogramm liegt, sind zahlreiche Personengruppen hierzulande von einem Mangel betroffen. Dazu zählen vor allem ältere Menschen und Schwangere aufgrund ihres erhöhten Vitamin-B12-Bedarfs, außerdem auch langjährige Vegetarier und Veganer. In Untersuchungen der Uniklinik Saarbrücken wurde festgestellt, dass 70 Prozent der Vegetarier und sogar 90 Prozent der Veganer einen Vitamin-B12-Mangel haben. Dies ist darauf zurückzuführen, dass Vitamin B12 hauptsächlich in tierischen Lebensmitteln zu finden ist. Gute Quellen sind Fleisch, Fisch, Milchprodukte und Eier. Die körperlichen Vitamin-B12-Speicher reichen bei absoluter Vitamin-B12-Abstinenz (beispielsweise beim Übergang auf eine vegane Ernährungsweise) etwa drei Jahre. Weitere Risikogruppen für einen Vitamin-B12-Mangel sind Menschen, bei denen die Aufnahme von Vitamin B12 gestört ist, beispielsweise aufgrund einer chronischen Gastritis, einer Magenresektion oder chronisch entzündlichen Darmerkrankungen. Auch Medikamente, welche die Magensäuresekretion hemmen sowie Metformin können die Vitamin-B12-Aufnahme beeinträchtigen.
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Wenn ein Vitamin-B12-Mangel nicht erkannt wird, liegt dies nicht nur an den unspezifischen Symptomen, sondern auch an Problemen beim Nachweis des Mangels mit Hilfe eines Bluttests. Im Blut wird Vitamin B12 entweder an Transcobalamin oder an Haptocorrin gebunden. Aus Kostengründen wird üblicherweise nur die Gesamtkonzentration des Vitamins im Blut bestimmt. Die Ergebnisse dieses Tests sind jedoch in 22 bis 35 Prozent der Fälle falsch-negativ. Ein tatsächlich vorhandener Vitaminmangel wird dann nicht erkannt. Experten empfehlen daher, anstelle des Gesamtvitamingehalts nur die Konzentration von Holo-Transcobalamin (Vitamin B12, das an Transcobalamin gebunden ist) zu bestimmen. Diese Auffassung teilt auch Prof. Rima Obeid von der Uniklinik Saarbrücken: „Nur der Holo-Transcobalamingehalt lässt erkennen, wie viel verwertbares Vitamin B12 für die Körperzellen verfügbar ist.“ Sie plädiert für die Bestimmung dieses Markers, auch wenn dadurch höhere Kosten anfallen. „Im Vergleich zu den entstehenden Folgekosten fallen die knapp 50 Euro für die Bestimmung des Holo-Transcobalamins nicht ins Gewicht“, ist Obeid überzeugt.




