Frankreich will Palmöl verstärkt besteuern

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Profitieren soll der Sozialversicherungshaushalt

Dänemark ist dabei sie aufzugeben, Frankreich will sie einführen: eine Fettsteuer. Davon betroffen sein sollen Lebensmittel, die Palmfett, Palmkernöl und Kokosfett enthalten, prominenter Vertreter: der Schokoladenaufstrich Nutella.

Nutella
Nutella soll in Frankreich teurer werden.

Nachteilige Folgen für Gesundheit und Umwelt sprechen laut Befürwortern dieser Maßnahme dafür, den industriellen Einsatz zurückzuschrauben. Durch erhöhte Steuern hofft der französische Sozialausschuss, die Industrie zu entsprechenden Maßnahmen zu bewegen. Als Signal für die Nahrungsmittelindustrie versteht der Autor des Änderungsantrags, Yves Daudigny, sozialistischer Senator des Département Aisne und Berichterstatter des Sozialausschusses, die Besteuerung. Die Verbraucher wolle man nicht treffen. Die Lebensmittelhersteller sollten ihre Rezepturen so überarbeiten, dass sie die menschliche Gesundheit stärker berücksichtigen, betont er.

Palmfett kann vergleichsweise billig gewonnen werden und hat gute technologische Eigenschaften. Es ist bei Raumtemperatur fest, was sich günstig auf Haltbarkeit und Struktur auswirkt. Ungefähr ein Drittel der in Frankreich konsumierten Lebensmittel enthält das Fett. Darunter fallen Gebäck, Kartoffelchips und Schokoriegel. Der Pro-Kopf-Verzehr liegt bei etwa zwei Kilogramm Palmfett pro Jahr. Palmfett und ebenso Palmkernöl sowie Kokosfett gelten zwar im Vergleich zu Olivenöl als ungesünder, wurden bisher aber nur halb so stark besteuert wie dieses.

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Der Ausschuss für Sozialangelegenheiten des Senats nahm am 7. November 2012 den Änderungsantrag, auch als „Nutella-Zusatz“ bezeichnet, an. Die Steuererhöhung auf Palmfett, Palmkernöl und Kokosfett beträgt 300 Prozent des derzeitigen Satzes. Damit steigt der Preis von etwa 100 Euro auf 400 Euro pro Tonne an. Die Mehreinnahmen von geschätzt 40 Millionen Euro sollen dem Sozialversicherungshaushalt zufließen.

Nutellabrot
Der Schokoladenaufstrich Nutella enthält reichlich Palmöl.

Frédéric Thil, Generaldirektor von Ferrero Frankreich, spricht in diesem Zusammenhang von „katastrophalen Auswirkungen“ und „ungerechten Argumenten“. Auf ein Kilogramm der Schokoladencreme Nutella kommen durch den Zusatz sechs Cent mehr. Gesättigte Fettsäuren, wie sie im Palmfett enthalten sind, seien schließlich auch in Butter und Käse zu finden, sagt Thil. Das spräche vielleicht für einen maßvollen Genuss dieser Lebensmittel, nachweislich ungesund seien diese dadurch aber nicht. Außerdem bedeute der Einsatz von Palmfett, dass auf gehärtete Öle verzichtet werden könne. Diese enthielten ihrerseits die als besonders ungesund eingestuften Transfettsäuren. Hauptsächlich aus diesem Grund greife man bei der Nutella-Produktion auf Palmfett zurück.

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Jean-Michel Chardigny, Wissenschaftler an dem Nationalen Institut für Agronomieforschung „INRA“, spricht Palmfett dennoch einen höheren Gesundheitswert ab. „Ich weiß, dass ich mir damit nicht nur Freunde mache, aber ich antworte mit nein“, sagt er auf die Frage, ob Palmfett eine gute Alternative für gehärtete Fette sei. Nahezu 60 Prozent des Fettes bestünden aus der gesättigten Fettsäure Palmitinsäure, die neben Laurin- und Myristinsäure der menschlichen Gesundheit abträglich sein könne. Diese Fettsäuren würden eine Fetteinlagerung in die Wände der Blutgefäße fördern und dadurch eine Verkalkung der Gefäße begünstigen.

Neben den nachteiligen Auswirkungen eines hohen Konsums auf die Gesundheit entstehen durch die hohe Nachfrage auch ökologische Schäden. Für den zunehmenden Anbau von Ölpalmen, aus deren Früchten das Palmfett gewonnen wird, werden Wälder gerodet, um Anbauflächen zu gewinnen. Projekte zu einem nachhaltigen Anbau wie der WWF-initiierte „Runde Tisch für nachhaltiges Palmöl“ (RSPO) sind zwar eingerichtet worden, werden jedoch nicht allumfassend wahrgenommen.

Der französische Ferrero-Chef Thil erklärt gegenüber der Zeitung „le Parisien“, dass Ferrero bis 2015 ausschließlich Palmöl aus nachhaltigem Anbau einsetzen wolle. Sein Rezept werde Fererro jedoch auch unter den neuen steuerlichen Bedingungen in Frankreich nicht abändern, sagt Thil.

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