Bier als Medizin, am besten noch auf Rezept – da würde sich so mancher Biertrinker freuen. Was zunächst einmal sehr abwegig klingt, hat aber einen wahren Kern. Denn in Bier und seinen Zutaten sind zahlreiche Inhaltsstoffe enthalten, die gut für die Haut sein sollen.

Ein Manko wissenschaftlicher Studien besteht darin, dass meist nur eine Substanz oder eine geringe Anzahl von Stoffen auf ihre Wirkung untersucht werden können. Da Lebensmittel jedoch eine Vielzahl von Stoffen enthalten, wird immer nur ein kleiner Teil des Wirkungspotentials untersucht. Jede Studie ist wie ein Puzzlestück des großen Ganzen. Wissenschaftler der TU München haben sich nun zur Aufgabe gemacht, das Puzzle zusammenzusetzen, indem sie alle bisherigen Veröffentlichungen zu therapeutisch nutzbaren Inhaltsstoffen in Bier und den zugrunde liegenden Pflanzen sammelten und aufbereiteten. Die Ergebnisse dieser Recherche wurden kürzlich im Journal of the European Academy of Dermatology and Venerology veröffentlicht.
Demnach werden insbesondere den Polyphenolen in Bier gesundheitsfördernde Wirkungen zugesprochen. Studien zufolge wirken sie antibakteriell, verhindern Entzündungen, Osteoporose und sogar Krebs. Besonders Hopfen, der Bitterstoff, der für das Bierbrauen unentbehrlich ist, ist reich an Polyphenolen (Kaempferol, Quercetin, Tyrosyl, Ferulasäure sowie Humulone und Lupulone).
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In Tierversuchen verhinderte Kaempferol die Entstehung von Hautkrebs durch UVB-Strahlung, Die ebenfalls in Hopfen enthaltene Ferulasäure wirkt antioxidativ und kann möglicherweise die Wundheilung beschleunigen. Auch sie soll krebshemmende Wirkungen haben. Ob dies allerdings auch für den Menschen gilt, ist noch nicht erwiesen.
Menschen mit atopischem Ekzem verspricht Xanthohumol, das ausschließlich in Hopfen enthalten ist, Linderung. Auf der Grundlage der bisherigen Studien spekulieren die Münchner Wissenschaftler, dass ein moderater Bierkonsum die Beschwerden von erwachsenen Menschen mit atopischem Ekzem reduzieren könnte. Allerdings fehlen auch hier entsprechende klinische Studien. Dies gilt auch für das in Gerste und Äpfeln enthaltene Procyanidin. Es soll die Haare wieder sprießen lassen und das ohne nennenswerte Nebenwirkungen.
Gäbe es nicht neben den hinlänglich bekannten positiven physiologischen Wirkungen von Bier auch die Nebenwirkungen, die bis hin zum anaphylaktischen Schock reichen, könnte Biertrinken nicht nur in Bayern zur Therapie von Hauterkrankungen empfohlen werden. Die Forschung zur Wirkung seiner natürlichen Inhaltsstoffe geht aber weiter…
Quelle:
W. Chen, T. Becker, F. Qian, J. Ring (2013): Beer and beer compounds: physiological effects on skin and health. Journal of the European Academy of Dermatology and Venerology, Online-Vorabveröffentlichung




