Missverständlich und irreführend: Kritik an Kennzeichnung von Folgenahrungen und Kindermilchen in den USA

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Obwohl Fachgesellschaften keinen Vorteil in der Verwendung von Folgenahrungen und Kindermilchen für Kleinkinder sehen, werden diese mitunter so beworben, als wären sie herkömmlicher Kuhmilch und einer ausgewogenen Ernährung deutlich überlegen. Welche Eltern möchten nicht, dass ihre Kinder von den versprochenen gesundheitlichen, ernährungsphysiologischen und entwicklungsbezogenen Vorteilen profitieren?

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Die Amerikanische Akademie für Kinderheilkunde und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind sich einig: Ab einem Alter von einem Jahr sollten Kleinkinder Kuhmilch als Bestandteil einer gesunden Ernährung erhalten. Industriell gefertigte Produkte wie Folgenahrungen oder Kindermilchen werden von der WHO als „unnötig“ und „ungeeignet“ eingestuft, und die Amerikanische Akademie der Hausärzte sieht ebenfalls keine Vorteile bei der Verwendung spezieller Kindermilchen im Vergleich zu einer nährstoffreichen Ernährung inklusive Kuhmilch.

Naturgemäß sind die Hersteller solcher speziell für Kleinkinder hergestellten und beworbenen Milchprodukte ganz anderer Ansicht. In den letzten Jahren wurde der US-amerikanische Werbeetat für Kleinkindergetränke nochmals aufgestockt. Experten aus dem Bereich der öffentlichen Gesundheit kritisieren seither fragwürdige Versprechen und Kennzeichnungspraktiken. Beispiele hierfür sind Botschaften, die die Notwendigkeit solcher Produkte für das Wachstum und die geistige Leistungsfähigkeit der Kleinkinder suggerieren oder sie als Ausweg bei wählerischem Essverhalten ausloben. Auch auf den Verpackungen deutscher Produkte werden häufig ein (angeblich) besonderer Nährstoffgehalt und gesundheitliche Vorteile (beispielsweise die Stärkung des Immunsystems) herausgestellt.

In einer aktuellen Marktanalyse fanden US-amerikanische Wissenschaftler auf allen Verpackungen gesundheits- oder ernährungsbezogene Versprechungen, vielfach sogar mehrere gleichzeitig. Häufig wurde auf die Ergebnisse wissenschaftlicher Studien oder Expertenmeinungen verwiesen. „Auf allen Produkten wurden Behauptungen in Bezug auf Ernährung und Gesundheit gemacht, und viele aufgeführten Expertenempfehlungen könnten dazu führen, dass die Bezugspersonen glauben, diese Produkte seien notwendig und gesund“, warnt Assistenzprofessorin Jennifer L. Pomeranz vom New Yorker Universitätscollege für öffentliche Gesundheit und Erstautorin der Studie, die vor kurzem in der Fachzeitschrift Preventive Medicine veröffentlicht wurde. „Tatsächlich werden sie von Gesundheitsexperten nicht empfohlen, da es keine Anhaltspunkte dafür gibt, dass sie aus ernährungsphysiologischer Sicht gesunden Lebensmitteln und Vollmilch für Kleinkinder überlegen sind“, fährt Pomeranz fort.

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Für Irritationen sorgen außerdem unterschiedliche Bezeichnungen wie „Folgenahrung für Kleinkinder“, „Kleinkindgetränk“, „Kleinkind-Folgemilch“ oder „Milchgetränk“. Häufig ist das Design von Folgeprodukten auffallend ähnlich gestaltet wie jenes der Säuglingsanfangsnahrungen desselben Herstellers. Dies könnte insofern von Nutzen sein, dass die Einschätzung der Verbraucher in Bezug auf die Eignung eines Säuglingsanfangsprodukts automatisch auf das Folgeprodukt für die ältere Altersgruppe übertragen wird. Zugleich wird es Verbrauchern erschwert, beide Produktkategorien zu unterscheiden.

Zwar existieren in den USA ein gesetzlicher Rahmen für die Kennzeichnung von Lebensmitteln und verschiedene Richtlinien für Säuglingsanfangsnahrungen, Milchgetränke für Kleinkinder wurden bislang aber nicht explizit reguliert. Die Wissenschaftler um Pomeranz sehen nun die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA in der Pflicht, Orientierungshilfen oder gesetzliche Rahmenbedingungen im Bereich der Kennzeichnung von Milchgetränken für Kleinkinder zu bieten. Als Beispiele nennen sie verpflichtende Herstellerangaben, dass vor der Verwendung entsprechender Produkte ein Arzt konsultiert werden sollte, die Formulierung geeigneter gesundheits- und nährwertbezogener Aussagen seitens der Hersteller und eine klare Differenzierung zwischen Säuglingsanfangsnahrungen, Folgenahrungen und Kindermilchen. Sie fordern ferner, dass Hersteller ihre Kennzeichnungspraktiken dahingehend ändern, dass sie Verbrauchern ermöglichen, informierte Entscheidungen zu treffen. Hierzu zählten beispielsweise die Vereinheitlichung von Produktbezeichnungen, der Verzicht auf fragwürdige Werbung mit Expertenmeinungen und die Einhaltung von FDA-Vorschriften.

„Obwohl Getränke für Kleinkinder unnötig sind und eine nährstoffreiche Ernährung unterminieren können, haben die Hersteller die Vermarktung dieser Produkte ausgeweitet. Daher ist es wichtig, dass die Kennzeichnung solcher Produkte klar, transparent und genau erfolgt“, fasst Pomeranz zusammen. „Die FDA und die Hersteller sollten dabei zusammenarbeiten, die unangemessene Kennzeichnung von Kleinkindgetränken zu beenden und sicherzustellen, dass Bezugspersonen zuverlässige Informationen haben, um ihre Kinder ausgewogen zu ernähren.“

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