Ein Bier zum WM-Spiel muss schon sein. Oder zwei. Oder drei…? Im Hinblick auf den Alkoholkonsum nimmt Europa die Spitzenposition unter allen Regionen weltweit ein und auch im Ländervergleich müssen wir uns nicht verstecken, wie der kürzlich veröffentlichte Statusreport der Weltgesundheitsorganisation WHO zeigte. Fragt sich nur: Wie erstrebenswert ist diese Spitzenposition?

Für den Bericht zu Alkohol und Gesundheit 2014 wurden Daten aus 194 Mitgliedsländern der Vereinten Nationen zusammengestellt und vergleichend analysiert. Alle Angaben beziehen sich auf die Jahre 2008 bis 2010, stimmen aber zumindest für Deutschland auch gut mit den Angaben der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen für 2012 überein.
Nach Angaben der WHO nimmt jeder Deutsche über 15 Jahren durchschnittlich 11,8 Liter reinen Alkohol pro Jahr zu sich – so viel, wie in gut 500 Flaschen Bier (zu je einem halben Liter) enthalten ist. Die tatsächlichen Mengen pro alkoholkonsumierender Person liegen höher, da bei dieser Berechnung nicht berücksichtigt wurde, dass manche Bürger ganz auf Alkohol verzichten. Mit einer Durchschnittsmenge von 16,8 Litern Alkohol pro Jahr trinken Männer mehr als doppelt so viel Alkohol als Frauen (7 Liter). Bei der Auswahl der Getränke decken sich die Vorlieben der Deutschen weitgehend mit den Klischees: Über die Hälfte des Alkohols in Deutschland (53,6 Prozent) wird in Form von Bier getrunken, gefolgt von Wein (27,8 Prozent) und harten Getränken (18,6 Prozent).
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Mit seinem jährlichen Pro-Kopf-Verbrauch von 11,8 l positioniert sich Deutschland im globalen Vergleich ziemlich weit vorne: Mehr Alkohol als hierzulande wird unter anderem in Frankreich, Finnland, der Ukraine und Russland getrunken. An der Spitze der Länder steht Weißrussland mit einem jährlichen Alkoholkonsum von sage und schreibe 17,5 Litern.
Ein Vergleich der Zahlen des weltweiten jährlichen Alkoholkonsums, der bei 6,2 Litern reinem Alkohol liegt, mit dem europäischen Durchschnitt (10,9 Liter) lässt schon ahnen, welche Faktoren den Alkoholkonsum eines Landes beeinflussen: die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes, Kultur, Politik und sicher auch die Verfügbarkeit von Alkohol. Allgemein gilt: Je größer der wirtschaftliche Wohlstand eines Landes ist, desto mehr Alkohol wird konsumiert und desto geringer ist der Anteil derjenigen, die auf Alkohol verzichten.
Die Prognosen für die Entwicklung des Alkoholkonsums bis zum Jahr 2025 variieren zwischen den Ländern: Für Europa wird ein leichter Rückgang des Alkoholkonsums erwartet, zugleich werden die Menschen in China und Indien wohl mehr Alkohol trinken als heute.

Die WHO warnte erneut vor den gesundheitlichen und sozialen Konsequenzen von übermäßigem Alkoholkonsum. Weltweit ist fast jeder sechzehnte Todesfall (5,9 Prozent) auf Alkohol zurückzuführen. Exzessives Trinken erhöht das Risiko für über 200 Erkrankungen. Hierzu zählen Lebererkrankungen und Krebs, aber auch Tuberkulose, Lungenentzündungen und weitere Infektionskrankheiten. Laut WHO zählt jeder sechste Alkoholkonsument zu den sogenannten „Kampftrinkern“, die in kurzer Zeit große Mengen Alkohol bis hin zum völligen Kontrollverlust trinken.
Angesichts dieser Zahlen forderte die WHO eine Verstärkung der Maßnahmen gegen Alkoholmissbrauch weltweit. „Es muss mehr getan werden, um die Bevölkerung vor den negativen Folgen des Alkoholkonsums zu schützen“, fordert Oleg Chestnow, Leiter der WHO-Abteilung für nichtübertragbare Krankheiten und psychische Gesundheit bei der Vorstellung des WHO-Reports in Genf. Im Gespräch sind unter anderem eine Erhöhung der Steuern auf alkoholische Getränke sowie eine stärkere Regulierung des Marktes für Alkoholisches.
Quellen einblenden
- WHO (2014): Global status report on alcohol and health 2014.
- Die Welt (2014): Der Deutsche trinkt 500 Flaschen Bier pro Jahr. Online-Artikel vom 13.05.2014
- T. Schwemmer (2014): Die große Alkohol-Karte: Diese Nationen trinken Deutschland unter den Tisch. Online-Artikel vom 14.05.2014




