Nach dreijähriger Übergangsfrist tritt im Dezember 2014 tatsächlich die neue Lebensmittelinformationsverordnung europaweit in Kraft. Für Verbraucher verspricht sie mehr Informationen, zum Beispiel über Herkunft, Verarbeitung und Nährwerte in gut lesbarer Schrift. Das mehr an Informationen ist zugleich jedoch eine logistische und kalkulatorische Herausforderung für die Unternehmen und kann Lebensmittel- und Verpackungsmüll verursachen.

Des einen Freud’ ist des anderen Leid, wie Dr. Petra Unland, Abteilungsleiterin für Lebensmittelrecht der Dr. August Oetker Nahrungsmittel KG auf einem Presse-Seminar berichtete. Denn während sich die Verbraucher über mehr Informationen in ihrer Sprache auf Lebensmittelverpackungen freuen dürfen, sehen sich insbesondere europaweit agierende lebensmittelverarbeitende Unternehmen mit dem Problem konfrontiert, wie sie alle zukünftig erforderlichen Pflichtangaben auf einer Packung in ausreichender Schriftgröße aufführen können.
Im Extremfall müssten die Produktangaben in 24 Sprachen deklariert werden, was wohl auf keiner Lebensmittelverpackung ohne weiteres möglich wäre – erst recht nicht, wenn das Produkt weiterhin ansprechend präsentiert werden soll, gibt Unland zu bedenken. Sie geht davon aus, dass europaweit agierende Unternehmen wie Dr. Oetker künftig für jedes Erzeugnis zwei bis drei Verpackungen verschieden bedrucken werden.
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Das Bedrucken ist jedoch erst der Anfang einer Kette von Veränderungen der Unternehmenslogistik: Verschiedene Verpackungen benötigen mehr Lagerraum, einen höheren Energieaufwand (insbesondere bei Tiefkühlware) und letztendlich wird wohl auch mehr Lebensmittel- und Verpackungsmüll entstehen. Denn: Die bis dato gekannte Flexibilität, dass letztlich jede Packung in jedem Mitgliedsstaat vermarktet werden könne, ginge mit dem Geltungsbeginn der Lebensmittelinformationsverordnung verloren, führt Unland aus. Da Umetikettierungen kostenaufwändig sind, erscheint es aus ökonomischer Perspektive plausibel, dass Lebensmittelhersteller Ladenhüter komplett entsorgen. Die Kosten dafür werden wohl letztendlich die Verbraucher bezahlen müssen – und die Umwelt!




