Werbung für „gesünderes“ Essen verführt zum Überkonsum

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Verbraucher pauschalisieren gesundheits- und nährwertbezogene Angaben

Nährwertbezogene Angaben wie „fettreduziert“ und gesundheitsbezogene Angaben wie „trägt zur Aufrechterhaltung eines normalen Cholesterinspiegels bei“ signalisieren „gesund“ – und das offenbar über den beworbenen Aspekt hinaus. Ob ein „Low-fat“-Joghurt aber auch weniger Kalorien hat als das handelsübliche Produkt, ist keineswegs garantiert. Dabei könnte ein zweiter Blick – auf die Nährwertkennzeichnung – Aufklärung bringen.

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Gilt Essen als gesund, haben wir, wie es scheint, einen Hang zu einem großzügigerem Verzehr. „Die Leute denken, als gesünder beworbene Lebensmittel hätten weniger Kalorien und neigen dazu, mehr davon aufzunehmen“, sagt Pierre Chandon, Marketingprofessor an dem sozialwissenschaftlichen Forschungszentrum INSEAD in Frankreich. Ein Missverständnis mit Folgen, da dadurch unnötig viele Kalorien aufgenommen werden.

Dr. Cliodhna Foley-Nolan, Leiterin der Abteilung „Menschliche Gesundheit und Ernährung“ bei Safefood, einer staatlichen Verbraucherorganisation in Irland, meint: „Es gibt einen Grund dafür, dass Lebensmittel als gesünder vermarktet werden – Lebensmittelproduzenten glauben, und damit liegen sie richtig, dass uns solche Bezeichnungen darin bestärken, ihre Produkte zu essen und vielleicht auch mehr davon.“

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Foley-Nolan erklärt, dass die Essportionen über die Jahre größer geworden seien und Safefood herausfinden wollte, ob nährwert- oder gesundheitsbezogene Aussagen einen Einfluss darauf hatten. „Die Anzahl an verkauften Produkten mit Ernährungs- oder Health-Claims ist in den letzten 20 Jahren gewaltig angestiegen. Wir wissen aber auch, dass das Gewicht der Leute weiter angestiegen ist. Weil diese (als gesünder beworbenen) Produkte sehr beliebt sind, haben wir eine Studie in Auftrag gegeben, um das Verständnis der Leute von diesen Produkte zu untersuchen“, sagt sie.

Besagte Studie wurde von der University of Ulster durchgefürht. Studienleiterin Barbara Livingstone und ihr Team befragten 186 Erwachsene, wie eine vernünftige Portionsgröße aussähe und welchen Kaloriengehalt diese habe. Sechs Lebensmittel wurden den Probanden pärchenweise präsentiert – zweimal Cerealien, zweimal ein Getränk und zweimal Krautsalat – jeweils ein Lebensmittel als „gesünder“ und eines als „normal“ ausgeschrieben. Die empfohlene Portion sollte daraufhin von den Probanden selbst bestimmt und hinsichtlich ihrer Kalorien eingeschätzt werden. Weiter wurden die Teilnehmer gefragt, inwieweit sie sich schuldig fühlten, wenn sie die von ihnen bestimmte Portion äßen.

Für den Krautsalat, der als „gesünder“ gekennzeichnet war, fiel die Portionsgröße tatsächlich umfangreicher aus als für den „normalen“ Salat. Als gesünder beworbener Lebensmittel wurden als generell gesund sowie niedrigkalorisch eingestuft und ihr Verzehr daher auch mit besserem Gewissen verbunden als es für ihre herkömmlichen Gegenstücke der Fall war. Doch die Unterschätzung der Portionsgröße machte auch bei den „normalen“ Lebensmitteln nicht halt. Laut den Ergebnissen der irischen Studie war die als angemessen eingestufte Portionsgröße für fünf der sechs bewerteten Lebensmittel 28 bis 71 Prozent größer als die empfohlene Verzehrsmenge.

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„Diese Studie stützt, was von vielen als ‚Gesundheits-Heiligenschein‘-Effekt beschrieben wird, also dass Verbraucher diese Produkte als gesünder und kalorienärmer wahrnehmen als die herkömmliche Variante“, sagt Studienleiterin Livingstone zu den Ergebnissen der Untersuchung. „Sie betrachten diese als eine weniger schuldbehaftete Alternative und essen daher mehr davon. Eine weiterführende Aufklärung dazu, was einer gesunden Portionsgröße entspricht, ist berechtigt, um diese irrigen Meinungen zu überwinden.“

Foley-Nolan deutet die Ergebnisse so: „Die Studie zeigt, dass diese Lebensmittel von einigen Verbrauchern als ‚Lizenz zum Überessen‘ gesehen werden. Jedoch wird bei vielen fettreduzierten Produkten das Fett durch andere Inhaltsstoffe wie Zucker ersetzt, die Kalorieneinsparung ist gering oder nicht vorhanden. Verbraucher sollten noch einmal auf ihre Portionsgröße schauen, da jeder Vorteil, den sie von diesen ‚gesünderen‘ verarbeiteten Lebensmitteln haben könnten, allein durch die Essmenge zunichte gemacht werden kann.“ Foley-Nolan möchte aus dem neugewonnenen Wissen Empfehlungen und Botschaften ableiten, die Menschen bei einer gesunden Lebensmittelauswahl unterstützen. Mehr Obst und Gemüse, weniger verarbeitetes Essen, selbst wenn Letzteres als gesund beworben wird, könnte eine dieser Empfehlungen lauten.

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Quellen:

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