Wie rotes Fleisch zur Krebsentstehung beitragen könnte

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Die Temperaturen steigen und damit auch die Lust auf ein saftiges Steak vom Grill. Aber Vorsicht: Ein häufiger Verzehr von „rotem Fleisch“ wie Rind- und Schweinefleisch erhöht bei Menschen das Krebsrisiko. Wissenschaftler der Universität von Kalifornien in San Diego haben nun Hinweise darauf gefunden, was den Menschen von fleischfressenden Tieren unterscheidet.

 © Another Pint Please
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Seit längerem rätseln Wissenschaftler, warum ein häufiger Konsum von sogenanntem „roten Fleisch“ (gemeint ist Rindfleisch, Kalbfleisch, Schweinefleisch, Schaffleisch oder Lammfleisch) das Krebsrisiko langfristig erhöht. Diskutiert wurde beispielsweise, dass bestimmte Inhaltsstoffe, die natürlicherweise in Fleisch enthalten sind oder während des Bratens gebildet werden, Veränderungen im Erbgut bewirken könnten. Auch eine Beteiligung freier Radikale an der Krebsentstehung wurde in Betracht gezogen. Jedoch ließ sich bislang keine dieser Hypothesen evidenzbasiert belegen.

Die Wissenschaftlerin Annie N. Samaraj und ihre Kollegen von der Universität von Kalifornien hatten einen anderen Verdacht: Eine bestimmte Form der Sialinsäure namens Neu5Gc, die reichlich in rotem Fleisch vorhanden ist, könnte beim Menschen Krebs verursachen. Bei vielen Tieren ist Neu5Gc fester Bestandteil von Schleimen und Zellmembranen. Im menschlichen Körper erfüllt stattdessen N-Acetylneuraminsäure diese Funktion. Daher, so die Vermutung der Wissenschaftler, könnte Neu5Gc im menschlichen Körper anders wirken als bei Tieren.

Die Wissenschaftler führten im Folgenden eine Reihe von Tests durch, um ihre Vermutung zu belegen. Zuerst analysierten sie den Neu5Gc-Gehalt von 62 rohen und gegarten Lebensmitteln. Hier zeigte sich, dass Geflügelfleisch, Eier, Milch, Obst und Gemüse kein Neu5Gc enthielten. Auch Fisch war weitgehend Neu5Gc-frei – mit einer Ausnahme: in Kaviar wurde der höchste Neu5Gc-Gehalt gemessen. Der Neu5Gc-Gehalt von Käse lag im mittleren Bereich, während Rind- und Schweinefleisch erwartungsgemäß hohe Neu5Gc-Gehalte aufwiesen.

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Während der Verdauung wird Neu5Gc, das normalerweise an andere Biomoleküle gebunden ist, freigesetzt und direkt in verschiedenen Körpergeweben abgelagert. Im Unterschied zu Tieren, die selbst Neu5Gc bilden, ist die Verbindung für den menschlichen Organismus eine Fremdsubstanz. Daher bildet das menschliche Immunsystem beim Kontakt mit Neu5Gc Antikörper. Diese lagern sich an das im Gewebe befindliche Neu5Gc an und können chronische Entzündungen auslösen.

Aus  früheren Studien ist bekannt, dass Sialinsäure aus rotem Fleisch im Menschen Immunreaktionen auslösen kann. Bislang fehlten jedoch Belege für einen kausalen Zusammenhang zwischen den Entzündungsreaktionen und der Entstehung von Krebs. Daher führten die Wissenschaftler nun Fütterungsversuche bei einer speziellen Mäuseart durch, die ebenso wie der Mensch selbst kein Neu5Gc bilden kann (Interventionsgruppe). Im Gegensatz zu den normalen Kontrolltieren zeigten die Mäuse ohne eigenes Neu5Gc ausgeprägte Entzündungsreaktionen, nachdem sie zwölf Wochen Neu5Gc-haltiges Futter erhalten hatten. In der Interventionsgruppe entwickelten sich bei fast der Hälfte der Tiere, die Antikörper gegen Neu5Gc gebildet oder zusätzlich erhalten hatten, innerhalb von 50 bis 85 Wochen Lebertumoren. Bei der Kontrollgruppe war nur knapp jedes zehnte Tier (9 Prozent) davon betroffen. Außerdem stellten die Wissenschaftler fest, dass in diesen Tumoren besonders viel Neu5Gc abgelagert war. Hier zeigen sich Parallelen zu menschlichen Tumoren. Allerdings sind bei Menschen häufiger Darm, Prostata und Eierstöcke betroffen.

Die Ergebnisse der Wissenschaftler geben erste Hinweise für den Zusammenhang zwischen einem häufigen Verzehr von rotem Fleisch und der Krebsentstehung. Noch sind allerdings viele Fragen offen, insbesondere zur Übertragbarkeit der aus der Tierstudie gewonnenen Erkenntnisse auf den Menschen. Außerdem schlagen die Wissenschaftler vor, den Zusammenhang zwischen dem Neu5Gc-Antikörpergehalt im Körper und der Entstehung von Arteriosklerose oder Typ-2 Diabetes zu untersuchen. Denn auch bei diesen Erkrankungen besteht der Verdacht eines Zusammenhangs mit dem Verzehr von rotem Fleisch. Für detaillierte Empfehlungen zur Menge an rotem Fleisch, die ohne gesundheitliche Risiken verzehrt werden kann, ist es noch zu früh. Einstweilen wird davon ausgegangen, dass ein „moderater Konsum“ von rotem Fleisch Teil einer gesunden Ernährung sein kann.

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