Carotinoidaufnahme aus Orangensaft besser als aus frischen Orangen

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Hätten Sie es gewusst? In puncto Carotinoid-Aufnahme ist Orangensaft dem frischen Obst deutlich überlegen. Dies ergab eine Studie von Wissenschaftlern der Universitäten Hohenheim und Ulm, die vor kurzem in der Fachzeitschrift „Molecular Nutrition and Food Research“ veröffentlicht wurde.

© Yu. Samoilov

Orangen gelten als gute Quelle für Vitamin C, Carotinoide (Provitamin A) und Flavonoide. Diese Antioxidantien schützen den Körper vor oxidativem Stress und sollen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und verschiedene Krebserkrankungen reduzieren. Im Unterschied zu frischen Orangen wird Orangensaft eher als Genussmittel angesehen und gelegentlich wegen seines hohen Zuckergehalts kritisiert.

Vor einem Jahr veröffentlichten Wissenschaftler der Universitäten Stuttgart und Ulm die Ergebnisse einer in vitro-Studie. Diese gaben Anlass zu der Vermutung, dass Carotinoide aus Orangensaft besser aufgenommen werden können als aus frischen Orangen. Um diese Hypothese zu prüfen, initiierten die Wissenschaftler eine Humanstudie. Für die Studie unterzog sich ein – zugegebenermaßen ziemlich kleines – Kollektiv aus 12 Probanden zwei verschiedenen Studienphasen, die jeweils von einer zweiwöchigen „Auswaschphase“ eingeleitet wurde. Während der Auswaschphase mussten alle Probanden vollständig auf carotinoidhaltige rote und grüne Lebensmittel (beispielsweise Tomaten, Karotten und Spinat) verzichten, um eine Verfälschung des darauffolgenden Experiments zu vermeiden. Nach dem Zufallsprinzip erhielten die Probanden dann ein standardisiertes Frühstück, das durch Orangen oder pasteurisierten Orangensaft ergänzt wurde, wobei die frischen Früchte und der Saft jeweils dieselbe Menge (744 µg) des Carotinoids β-Cryptoxantin enthielten. Zwei Wochen später erhielten die Probanden dann anstelle der Orangen Orangensaft oder umgekehrt. Im Anschluss an jedes Frühstück wurde allen Probanden wiederholt Blut abgenommen und daraus die Carotinoid-Aufnahme bestimmt.

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In der Humanstudie hat sich unsere Hypothese aus der ersten Studie voll bestätigt„, beschreibt der Doktorand und Erstautor der aktuellen Studie Julian Aschoff vom Lehrstuhl Technologie und Analytik pflanzlicher Lebensmittel der Universität Hohenheim. „Bei unseren Untersuchungen konnten wir feststellen, dass aus pasteurisiertem Orangensaft ungefähr doppelt so viele Carotinoide aufgenommen werden wie aus einer handelsüblichen Orange.“ Dies galt für β-Cryptoxantin, aber auch die Absorption der anderen Carotinoide Lutein, Zeaxanthin und Zeinoxanthin war nach der Orangensaftaufnahme vergleichsweiße größer. Allerdings war für diese Carotiniod-Verbindungen der Ausgangsgehalt in Orangen und Orangensaft nicht angepasst worden.

Eine mögliche Erklärung für diesen deutlichen Unterschied besteht in der Herstellung des Orangensafts, wie der Inhaber des Lehrstuhls, Professor Reinhold Carle, erläutert: „Bei der Herstellung des Orangensaftes werden Ballaststoffe wie Pektin oder auch Cellulose teilweise abgetrennt.“ Diese Stoffe hemmen normalerweise die Carotinoid-Absorption während der Verdauung. „In der Orange sind mehr unverdauliche Ballaststoffe enthalten als im Saft, weshalb die Aufnahme der Carotinoide aus der Frucht stark vermindert ist„, so Carle weiter. Relevant sei außerdem die unterschiedliche Konsistenz von Orangensaft und frischen Orangen. „Beim Zerkauen einer Orange wird die Frucht nie komplett zerkleinert„, führt Aschoff aus. „Viele Zellen bleiben so intakt und schließen die Carotinoide ein. Das erschwert ihre Aufnahme und Verwertung.

Nach Ansicht der Wissenschaftler kann Orangensaft daher „in Maßen konsumiert, also ein Glas mit 200 ml pro Tag, … zu einer gesunden Ernährung beitragen und uns mit den Nährstoffen versorgen, die unser Körper benötigt.

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