Wie groß ist das gesundheitliche Risiko, das von Lebensmitteln und anderen Produkten ausgeht? Eine aktuelle Umfrage von TNS Emnid im Auftrag des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) zeigt, dass die Bevölkerung das Risiko hierzulande widersprüchlich einschätzt, und diese Einschätzung stark vom Kontext abhängt.
Für den BfR-Verbrauchermonitor werden im Abstand von jeweils einem halben Jahr Verbraucher zu verschiedenen gesundheitlichen Risiken befragt. Das BfR erfährt dadurch, wie die Öffentlichkeit Themen des gesundheitlichen Verbraucherschutzes wahrnimmt. Für die zukünftige Risikokommunikation ist außerdem von Bedeutung, inwieweit die öffentliche Wahrnehmung gesundheitlicher Risiken von der wissenschaftlichen Einschätzung abweicht.
Für die aktuelle repräsentative Umfrage „Verbrauchermonitor 02/2016″ hat TNS Emnid 1010 Menschen, die in Privathaushalten in Deutschland leben und mindestens 14 Jahre alt sind, telefonisch interviewt.
Auf die Frage nach den aus eigener Sicht empfundenen größten gesundheitlichen Risiken für Verbraucher wählte jeweils knapp ein Fünftel der Befragten Klima-/Umweltbelastung, Rauchen oder ungesunde/falsche Ernährung (Mehrfachnennungen waren möglich). Gut jeder Zehnte nannte Alkohol beziehungsweise ungesunde/belastete Lebensmittel. Knapp ein Viertel der Befragten entschied sich für die Antwort „weiß nicht/keine Angabe„.
Wurden die Probanden auf Bekanntheit verschiedener Gesundheits- und Verbraucherthemen angesprochen, gaben beinahe neun von zehn Befragten an, bereits von Pflanzenschutzmittelresten in Obst und Gemüse und Antibiotikaresistenzen gehört zu haben. Mehr als die Hälfte der Befragten wusste außerdem von Mineralölen und hormonähnlichen Stoffen in Körperpflegeprodukten und Mikroplastik in Lebensmitteln. Knapp die Hälfte der Befragten nannte Blei in Wild. Pyrrolizidinalkaloide in Tees und Glyphosat wurden dagegen von weniger als jedem dritten Befragten ausgewählt. Obwohl die Zulassung des Pflanzenschutzmittelwirkstoffes Glyphosphat nach wie vor in den Medien diskutiert wird, ist die Bekanntheit dieses Themas in der Öffentlichkeit im Vergleich zum letzten Jahr lediglich um vier Prozent auf 22 Prozent der Befragten angestiegen.
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Wie schätzten die Befragten die Sicherheit von Lebensmitteln ein? Beinahe drei von vier Befragten hielten die in Deutschland zum Kauf angebotenen Lebensmittel für „sicher“ oder zumindest „eher sicher“, knapp ein Viertel der Befragten stufte sie als „eher weniger sicher“ ein und vier Prozent der Befragten fanden sie „nicht sicher„. Wurde nach konkreten Themen der Lebensmittelsicherheit gefragt, die die Verbraucher beunruhigten, nannten jeweils mehr als die Hälfte der Befragten Antibiotikaresistenzen, gentechnisch veränderte Lebensmittel, Pflanzenschutzmittelrückstände oder Mikroplastik in Lebensmitteln.
Demnach schätzen Verbraucher hierzulande die Gefahr, die von Lebensmitteln ausgeht, sehr widersprüchlich ein. Einerseits teilen fast drei Viertel der Befragten die Auffassung, dass Lebensmittel hierzulande „sicher“ oder zumindest „eher sicher“ sind, andererseits sind viele Verbraucher beunruhigt über Pflanzenschutzmittelrückstände und Mikroplastik in Lebensmitteln, Antibiotikaresistenzen und gentechnisch veränderte Lebensmittel. „Diese widersprüchliche Einschätzung zeigt uns, dass es ganz entscheidend ist, in welchem Kontext Verbraucherinnen und Verbraucher zur Sicherheit von Lebensmitteln befragt werden“, erläutert der Präsident des BfR, Professor Dr. Dr. Andreas Hensel, Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). „Wenn Sie die Menschen im Kontext allgemeiner Lebensmittelrisiken fragen, dann werden Lebensmittel von einer großen Mehrheit als sicher angesehen. Fragen Sie aber im Kontext eines in der Öffentlichkeit vornehmlich unter dem Risikoaspekt diskutierten Themas wie Antibiotikaresistenzen oder Pflanzenschutzmittel, dann ist ein hohes Maß an Beunruhigung gegenüber der Lebensmittelsicherheit zu beobachten.“ Dies belegt einmal mehr, wie stark die Risikowahrnehmung durch die mediale Darstellung beeinflusst wird.
Quellen einblenden
- BfR-Verbrauchermonitor 02I2016
- Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR, 2016): Drei Viertel der Bevölkerung halten Lebensmittel in Deutschland für sicher. Pressemitteilung vom 02.05.2016.




