Wie sehr vertrauen Sie Ihrer Zeitung?

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In Sachen Ernährung und Ernährungsberichterstattung ist bei Zeitungsartikeln Vorsicht angebracht. Denn der Großteil der veröffentlichten Ratschläge ist wissenschaftlich nicht haltbar. Zu diesem Ergebnis kommt eine englische Studie.

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Ähnlich wie in England besteht auch hierzulande großes Vertrauen in das gedruckte Wort. Schwarz auf weiß werden wir tagesaktuell über alles Wichtige (und mehr) informiert. Und insbesondere bundesweit erscheinende Zeitungen mit langer Tradition kann man vermeintlich sicher Glauben schenken – im Gegensatz zu anderen Medien wie dem Internet oder der Berichterstattung im Fernsehen und im Radio. Dass dieses Vertrauen aber zumindest bei ernährungsbezogenen Artikeln nicht unbedingt angebracht ist, zeigt eine kürzlich veröffentlichte Studie aus England.

Für die Studie untersuchte Benjamin Cooper vom King’s College in London alle Artikel mit ernährungsbezogenen Health Claims, die innerhalb einer Woche in den zehn Zeitungen mit der höchsten Auflage in England erschienen sind, auf ihren Wahrheitsgehalt. Ein Health Claim ist eine nährwert- und gesundheitsbezogene Angabe über Lebensmittel oder bestimmte Inhaltsstoffe, das heißt es wird suggeriert, dass der Verzehr eines Lebensmittels oder eines Nährstoffes mit konkreten, positiven Auswirkungen für die Gesundheit einhergeht. Ernährungsbezogene Health Claims finden sich häufig in der Werbung, aber auch in Zeitungen und anderen Printmedien. (Beispiel: Essen Sie mehr Orangen. Das darin enthaltene Vitamin C schützt Sie vor Erkältungen).

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Mit Unterstützung eines Kollegen untersuchte Cooper alle aus den Zeitungen gesammelten Ernährungsaussagen auf ihre wissenschaftliche Belegbarkeit. Das Ergebnis war erschreckend: Die wissenschaftliche Evidenz von gut zwei Drittel der veröffentlichten Health Claims wurde mit der schlechtesten Wertnote „ungenügend“ beurteilt. Lediglich knapp ein Viertel der Ernährungsaussagen erhielt eine Wertung im Mittelfeld, nur jeder zehnte bis 15. veröffentlichte Health Claim galt als wissenschaftlich gut belegbar. Unterm Strich bestand damit im Bereich Ernährungsberichterstattung deutlicher Verbesserungsbedarf.

Wie lässt sich erklären, dass die große Mehrheit der in Zeitungen veröffentlichten Ernährungsaussagen wissenschaftlich nicht bzw. nicht einwandfrei belegbar sind? Die Autoren der Studie gehen davon aus, dass die Ursache bei den Quellen, welche Journalisten zum Verfassen ihrer Artikel verwenden, zu finden ist. Häufig werden Aussagen von Personen und Organisationen verwendet, die ein Interesse haben, in die Öffentlichkeit zu gelangen, beispielsweise um die Vermarktung eines bestimmten Lebensmittels oder Nahrungsergänzungsmittels zu fördern. Und nicht immer sind die Interessenskonflikte von Informanten offensichtlich. Der Druck, in möglichst kurzer Zeit einen ansprechenden Artikel zu verfassen, tut wahrscheinlich ein Übriges.

Zur Verbesserung der Qualität von Zeitungsartikeln empfehlen Cooper und Kollegen Journalisten, an speziellen Trainingsprogrammen zur wissenschaftlichen Evidenz teilzunehmen. In England wurde außerdem ein nationaler Ansprechpartner für Weiterbildungen in Wissenschaftsjournalismus benannt. Der interessierten, Zeitung lesenden Öffentlichkeit wird ein natürliches Maß an Skepsis beim Lesen und Interpretieren von Zeitungsartikeln nahegelegt. Schön wäre es, wenn das Thema mediale Beeinflussbarkeit und Glaubwürdigkeit vermehrt im Schulunterricht und bei Initiativen zur Gesundheitsförderung aufgegriffen würde, so die Autoren.

Quelle:
B. Cooper, W. Lee, Ben Goldacre, T. Sanders (2012): The quality of the evidence for dietary advice given in the UK national newspapers. Public Understanding of Science 21, S. 664-673

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