Nehmen Jugendliche abends regelmäßig reichlich Kohlenhydrate zu sich, die den Blutzucker rasch ansteigen lassen, tragen sie bereits im jungen Erwachsenenalter ein erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes. So lautet das Ergebnis einer aktuellen Auswertung der Dortmunder DONALD-Studie.

In ihrer Studie untersuchten die Erstautorin Tanja Diederichs vom Institut für Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften an der Universität Bonn und ihre Kollegen den Zusammenhang zwischen dem Kohlenhydratverzehr Jugendlicher morgens und abends und Risikomarkern für einen Typ-2-Diabetes im jungen Erwachsenenalter. Aus früheren Studien ist bekannt, dass Hormone einem circadianen (24-stündigem) Rhythmus folgen. Beispielsweise reagiert der menschliche Organismus morgens besonders gut (sensitiv) auf das blutzuckersenkende Hormon Insulin, während abends aufgrund der höheren Insulinresistenz des Zielgewebes größere Mengen des Hormons zur Aufnahme der selben Kohlenhydratportion erforderlich sind. Die natürlicherweise durch die Pubertät bedingte geringere Insulinsensitivität erhöht den Insulinbedarf Jugendlicher zusätzlich. Hieraus resultiert die Vermutung, dass bei Jugendlichen der Zeitpunkt der Kohlenhydrataufnahme besonders wichtig ist. Bei ungünstigen Konsumgewohnheiten könnte langfristig das Risiko für Störungen im Kohlenhydratstoffwechsel ansteigen bis hin zum manifesten Typ-2-Diabetes.
Zur Prüfung dieser Hypothese haben Tanja Diederichs und ihre Kollegen die Ernährungsdaten von 252 jugendlichen Teilnehmern der DONALD-Studie im Alter von 9 bis 16 Jahren ausgewertet und eine Verbindung zu deren Blutbefunden als junge Erwachsene (mittleres Alter 21 Jahre) gesucht. Um in die aktuelle Studie aufgenommen zu werden, musste jede/r Jugendliche/r mindestens zwei der jährlich stattfindenden 3-Tage-Wiege-Ernährungsprotokolle geführt haben und im Erwachsenenalter erneut untersucht worden sein.
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„Die Analyse der Daten zeigte, dass Jugendliche, die im Alter von 9 bis 16 Jahren abends regelmäßig reichlich Kohlenhydrate mit höherem GI1 verzehrten, im jungen Erwachsenalter insulinresistenter waren als diejenigen, die abends moderate Mengen dieser Kohlenhydrate verzehrten“, fasst Dr. Ute Alexy vom Institut für Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften der Universität Bonn das zentrale Ergebnis der Studie, das aktuell in der Fachzeitschrift „Nutrients“ veröffentlicht wurde, zusammen. Ebenso stieg mit zunehmendem Konsum von stark blutzuckerwirksamen Kohlenhydraten der Fettleberindex an. Der Fettleberindex gilt als Indikator für das Risiko, an einer Fettleber zu erkranken. „Interessant ist, dass sich beide Zusammenhänge für den abendlichen, aber nicht für den morgendlichen Verzehr zeigen“, ergänzt Frau Diederichs. Für die langfristige Prävention von Typ-2-Diabetes sei es daher vermutlich entscheidend, abends auf große Portionen von Kohlenhydraten mit höherem glykämischen Index zu verzichten, erklärt die Initiatorin der Studie Prof. Anette Buyken. „Das bedeutet, Lebensmittel wie zum Beispiel Weißbrot, Instant-Kartoffelpüree oder klebrigen weißen Reis eher zu meiden“, rät Buyken.
1 Der glykämische Index (kurz GI) ist ein Maß zur Bestimmung der Wirkung einer bestimmten Menge eines kohlenhydrathaltigen Lebensmittels auf den Blutzuckerspiegel. Je höher der Wert ist, desto stärker steigt der Blutzuckerspiegel nach dem Verzehr an.
Quellen einblenden
- T. Diederichs, C. herder, S. Roßbach, et al. (2017): Carbohydrates from Sources with a higher glycemic index during adolescence: Is evening rather than morning intake relevant for risk markers of type 2 diabetes in young adulthood? Nutrients 9(6): Seite E591
- Universität Bonn (2017): Auf die Tageszeit kommt es an. Pressemitteilung vom 14.06.2017.




